Wenn Rezensenten mehr Wahrheit aufdecken, als wahr ist

Die Ironie von Buchrezensionen und meinem Leben überhaupt

Aus aktuellem Anlass des Interviews mit Inka Mareila „Wie viel Werbung darf ein Autor machen, um sein Buch bekannt zu machen?“, wo es um Ethik und Moral auf dem Buchmarkt geht, hier noch eine Klarstellung der Autorin Annira Falter zu ihrem Fantasy-Roman „Astarian“, gerade was das Thema Gefälligkeitsrezensionen angeht.

Statement von Annira Falter:

Es hat mal ein Rezensent über mich zwischen den Zeilen behauptet, meine positiven Rezensionen seien Gefälligkeiten von Freunden bzw. dass sie mir nicht die Wahrheit sagen. Aber es ist eine grausame Ironie, dass von den diversen Indie-Autoren (und auch Verlagsautoren), auf die das tatsächlich zutreffen mag, ausgerechnet ich zu jenen gehöre, wo man das unterstellt. Denn erstens bin ich jemand, der nicht viele Freunde hat, weil ich eine Einzelgängerin bin, und zweitens bin ich jemand, der fast schon lieber gar keine Werbung für das eigene Buch macht, um nicht irgendwo anzuecken.

Es stimmt zwar, dass ich drei der zehn positiv urteilenden Rezensenten persönlich kenne, aber zwei davon kannten mein Buch schon in der Arbeitsphase seit ca. 2005. Man könnte sagen: Wir sind Freunde geworden, weil sie mein Buch schon in frühen Stadien begeistert hat, und nicht, dass sie mir gute Rezensionen schreiben, nur weil wir Freunde sind. Und jener dritte Rezensent hat sein Urteil geschrieben, nachdem das Buch schon ein Jahr lang auf dem Markt war. Echte Gefälligkeitsnetzwerke sehen ganz anders aus.

Besagten negativ wertenden Rezensenten danke ich für seine inhaltliche Meinung zum Buch dennoch sehr. Man muss damit leben, dass das eigene Buch nicht jedem gefällt und auch mal in falsche Hände gerät. Zwar erscheint mir sein ‚absolutes‘ Urteil maßlos übertrieben, aber er hat auch einiges angesprochen, was mich dazu gebracht hat, den Roman noch einmal zu hinterfragen und nochmals intensiv zu überarbeiten. Ich ging noch selbstkritischer mit mir um, als ich ohnehin schon bin. Letztlich hat dieser Rezensent dabei geholfen, das Buch besser zu machen.

Recht konnte ich dem Rezensenten geben, was den Stil und den Klang der Dialoge der alten Version angeht. Das konnte man einiges wirklich glatter und ästhetischer schleifen und überhaupt noch besser formulieren – wobei ich seine kritischen Stil-Beispiele in der Rezension recht schwach finde, im Rahmen dessen, was in der Literatur (in Maßen) erlaubt sein sollte. Muss man immer (!) „lieben“ sagen? Ist es verboten, „Liebe zu fühlen“? Ist das so ein hartes Verbrechen gewesen? Ich habe dergleichen zwar geändert und in der Summe wird ein Text durch so was glatter, aber mir wären da weit bessere Beispiele aus der alten Version eingefallen …

Fraglich ist mir jedoch, wie der Rezensent auf die Idee kommt, der Roman breche quasi mit allen Regeln des Romans und sei mehr eine überlange Kurzgeschichte. Das wird noch grotesker, wenn der Rezensent andererseits behauptet, die Erzählstränge des Buches (ein Mehrteiler übrigens) schlössen sich nicht, denn Kurzgeschichten sind eigentlich abgeschlossene Geschichten. Beide Aussagen schließen einander praktisch aus. Konkret diesen Eindruck des Rezensenten finde ich auch im Feedback anderer Leser nicht wieder.

Wie auch immer, die Wahrnehmungen sind verschieden und es war eben sein Eindruck, damit muss ich leben.

Doch welches Urteil man über einen Roman auch immer fällt, man sollte die persönliche Meinung – und Bücher sind eben Geschmacksache – nicht mit der absoluten, einzigen Wahrheit gleichsetzen und anderen Rezensenten unterstellen, sie sagen die Unwahrheit. Es gibt nicht „die Wahrheit“, sondern nur Meinungen bei Büchern, und diese sind nun einmal verschieden.

Des Weiteren hat besagter Rezensent behauptet, ich hätte mich in einem Artikel selbst gelobt – nun, das ist nicht ganz falsch, aber hey, wir reden hier von einer Art PR-Portal! Jene Sorte von Portalen, wo diverse Leute vom Heilpraktiker über Unternehmensberater bis zum Buchautor Artikel über sich schreiben, um auf sich aufmerksam zu machen. Platte Werbung darf man dort nicht machen, das wird gelöscht, aber es ist üblich und legitim, in positiv-informativer und auch „objektiver“ Art über sich selbst zu berichten. Ich versuche aber auch bei so etwas, Eindrücke zu treffen, die ein Leser bei „Astarian“ haben könnte. Ob es gelingt und ob jeder Leser sie hat, ist dann eine andere Frage.

Obwohl, war das überhaupt PR mit so viel Eigenlob? Ich bin mir ziemlich sicher, besagter Rezensent meinte diesen Artikel:

http://pagewizz.com/fantasyroman-exotische-fantasy-welten-der-autorin-annira-falter

Ich habe den Artikel nun nach zwei Jahren nochmals durchgelesen – und bin erstaunt über mich selbst, wie fair und gewissenhaft ich da geschrieben habe.

Gehen wir doch mal einige Teile des Artikels durch:

Punkt 1:

„Neue Fantasy Welten mit exotischen Figuren erschaffen – im Fantasy-Roman „Astarian – Das Universum der Ancris“ verwirklicht die Autorin Annira Falter ihre Vision.“

Ist das falsche Darstellung? Nicht wirklich. Die Fantasywelt und die Fantasywesen sind faktisch tatsächlich neu, exotisch und selbst erfunden. Das hat selbst der härteste Kritiker noch nicht abgestritten. In dem Sinne: Ja, der Artikel hat recht. Annira Falter hat ihre Vision verwirklicht.

Punkt 2:

„In ihrem Fantasy-Roman „Astarian – Das Universum der Ancris“ nimmt die Autorin Annira Falter die Leser in eine exotische Welt voller Macht, Liebe und Verrat mit.“

Auch das kann ich guten Gewissens unterschreiben. Exotisch ist die Welt (hat noch niemand abgestritten) und wer den Fantasy-Roman liest, dürfte wirklich den Eindruck bekommen, dass es ständig um Macht, Liebe und Verrat geht. Ich traue mich nicht, die Leser bewusst mit ganz falschen Schlagworten und Klappentexten in die Irre zu führen (wie ich das leider schon mal bei großen Verlagen als Leserin erlebt habe; manches Werbewort ist natürlich Ansichtssache, aber einige Wertungen empfinde ich dort als so extrem daneben, dass das reines Kalkül sein muss). Deshalb bemühe ich mich um Worte, die den Roman zumindest in meinen Augen wirklich widerspiegeln. Tja, wie gesagt … Macht, Liebe, Verrat … ich denke, kein glaubwürdiger Kritiker kann behaupten, dass es nicht darum geht – nicht einmal, dass diese Themen nur am Rande vorkommen.

Punkt 3:

Leuchtende Häuser, silberne Straßen und Wolkenplätze – im Fantasy-Roman „Astarian“ stellt die Autorin Annira Falter ein exotisches Universum vor.

Habe ich gelogen? Nein, in „Astarian“ sind die Häuser, Straßen und Plätze tatsächlich so. Ideen dieser Art bekommt der Leser immer wieder mal „um die Ohren gehauen“.

Punkt 4:

„Exotisch sind auch die Ancris selbst: Ihre Körper schimmern gelb oder blau und sie tragen angeborene Kleider aus Haut, über die sie ihren Gefühlen zusätzlich Ausdruck verleihen. Damit hat die Autorin Wesen entworfen, die mindestens so exotisch wie die Navi aus dem Film „Avatar“ sind.“

Ich denke, auch das ist keine Übertreibung und auch hier hat mir noch kein Kritiker widersprochen. Den Vergleich mit Avatar finde ich fair – und lesen (sowie denken!) muss man können, das kann ich euch leider nicht abnehmen. Ich vergleiche nicht die Handlung (oder irgendetwas anderes) von „Astarian“ mit „Avatar“, sondern nur das Kreativitätsniveau bei den Fantasywesen. Ich denke, ein fairer Kritiker dürfte konkret diesen Aspekt hier nicht als Übertreibung werten (vielleicht sogar als Untertreibung?).

Punkt 5:

Im Artikel folgt nun eine individuelle Inhaltsangabe, wie man sie ähnlich auch im Klappentext von „Astarian“ findet (ich will mal nicht alles hierhin zitieren, weil Google so was nicht mag). In meiner Wahrnehmung wird der Inhalt in Ordnung wiedergegeben. Die Inhaltsangabe fokussiert auf keine nebensächlichen Dinge, sondern auf jene Dinge, die ich bei einem Verlag ins Exposé schreiben müsste, weil sie zentral für die Entwicklung der Handlung sind. Dass manchem Kritiker die Ausgestaltung nicht gefallen haben mag, ist eine andere Sache. Aber eine Unwahrheit steht hier in der Inhaltsangabe nicht drin. Maximal mag man sich über den Ausdruck „zum Gott aufsteigen“ dort streiten, denn zumindest in der alten Astarian-Version kannten die Ancris keine Götter (glaube ich), nur so etwas wie die Herrschaft über das ganze Universum mit der „absoluten Macht“.

Punkt 6:

„Das Machtverhältnis erscheint zunächst eindeutig: Es gibt einen sehr starken Antagonisten und einen sanftmütigen und magisch unbegabten Protagonisten – und hier bleiben die Charaktere sich treu.“

Auch hier finde ich keine Falschdarstellung meinerseits. Der Antagonist ist stark, der Protagonist sanftmütig, emotional und magisch talentlos – das wird der Leser schon am Start des Romans schnell wiederfinden. Ja, und in diesen Punkten bleiben die Charaktere sich tatsächlich recht treu. Astarian wird nicht plötzlich zum Supermann und greift auch nie zum Schwert (wenngleich er aus Verzweiflung dennoch einige unmoralische Dinge tut – natürlich mit Zwiespalt, Grübeleien und schlechtem Gewissen). Und Zerion lässt sich mit gewöhnlichen Kräften (= Magie, Waffenstahl) nicht ernsthaft besiegen, nur mit Fragmenten der Absoluten Macht. Auch in diesem Teil des Artikels finde ich also keine Falschaussage.

Punkt 7:

„Aus eigener Kraft kann der Protagonist nicht stärker werden, das widerspräche seinem Charakter; ändern können dieses Machtverhältnis nur magische Artefakte. Allerdings hat der Protagonist noch die Möglichkeit, mit  anderen Waffen zu Kämpfen: Liebe und Gefühle.“

Der Teil des Artikels bestätigt also, was ich oben mit eigenen Worten gesagt habe. Kommen wir zum letzten Punkt: Kämpft Astarian mit Liebe? Das kann man im Roman hier und da auch beobachten. Er geht fast auf so etwas wie eine Liebes-Kampfschule. Ergänzend sei zu erwähnen, dass ofter auch Erotik mit im Spiel ist, aber nicht nur.

Punkt 8:

„Gut und Böse sind in diesem Buch eng miteinander verflochten; der Fantasy Roman vermittelt die Botschaft „Manchmal gibt es keine richtige Entscheidung“.“

Das kann ich auch weiterhin unterschreiben und es spiegelt sich in manchen Rezensionen auf Amazon wieder. Etwa hier bei einer kritischen Rezensentin, die ich schob erwähnte (3 Sterne): „Wenn ich Astarian charakterisieren müsste, würde ich ihn als eine Person beschreiben, die immer zur falschen Zeit am falschen Ort ist und garantiert die falschen Entscheidungen trifft.“

Ich behaupte mal, Astarian trifft nicht „garantiert die falschen Entscheidungen“, sondern „zwiespältige“ oder „ambivalente“ Entscheidungen – so können ganz falsch, aber vielleicht auch richtig sein. Auf jeden Fall trifft er bisweilen sehr riskante Entscheidungen, mit dem Glauben an das Gute in seinem geliebten Feind. In der neuen Version versuche ich seine Gedankengänge noch genauer darzustellen, damit man ihn noch besser versteht. Ich denke nicht, dass man dem Artikel in obiger Aussage eine Lüge unterstellen kann. Astarian steht öfter vor Entscheidungen wie „Geliebten töten oder die Welt retten?“, „Eltern sterben lassen oder dem Feind helfen?“ Schöne, leichte Entscheidungen sind das also wirklich nicht.

Punkt 9:

„Der Fantasy-Roman Astarian ist reich an ungewöhnlichen Ideen. Nahrungsbücher gehören ebenso dazu wie Luftstufen, Liebesschulen und Atompsychologen. Einige Ancris haben sogar Planetenkörper voller Meere und Kontinente.“

Was Ideenreichtum betrifft, hat noch keiner das Gegenteil behauptet (geschweige denn überzeugend begründet). Ansonsten: Alle im Artikel erwähnten Elemente kommen vor – und sehr wohl intensiver als in einem Satz. Zur Liebesschule und der Atompsychologie gibt es viele Buchseiten, das ist eng mit der Haupthandlung verbunden, auch die Planetenkörper begleiten Astarian für viele Seiten. Wie gesagt, ob jemandem die Ausgestaltung zusagt, ist eine andere Sache. Aber wieder stelle ich fest, dass mein Artikel keine übertriebenen Aussagen macht.

Punkt 10:

„Astarian – Das Universum der Ancris“ ist ein Fantasy-Roman, der nicht den großen Trends der Fantasy Bücher nachläuft. Der Roman folgt weder der Tradition der Fantasy im Stil von „Herr der Ringe“ noch lässt er sich zwischen die Vampirromane einreihen.“

Das hat bisher auch noch der negativste Kritiker auf seine Weise unterstrichen. Wobei ich noch einmal betonen möchte: „Astarian“ folgt den Regeln eines mehrbändigen Unterhaltungsromans. Das ist keine Hyperlink-Sammlung, keine Kurzgeschichtensammlung oder sonst was.

Punkt 11:

„Der Astarian-Roman vereint Science Fantasy mit Romance Fantasy und weist stellenweise lockere Verwandschaften mit „Star Wars“, dem Film „Avatar“ und mit Mangas auf.“

Science Fantasy … Romance Fantasy … Dürfte das Werk widerspiegeln. Man könnte noch Erotic Fantasy dazusetzen. Doch spannender ist die zweite Aussage: „lockere Verwandtschaften“ mit Star Wars und Avatar. Ist das falsch? Also, wer von „stellenweise“ (!) „lockeren“ (!) Verwandtschaften spricht, der ist doch wirklich nicht so vermessen, oder??? Man muss nur lesen können … So bescheiden drückt sich wohl kein Verlag bei seinen Werbetexten aus.

Das sollte mal an Zitaten vom Artikel reichen.

Also, bei solchen Selbstdarstellungen sind andere Autoren – und auch gerade die PR-Experten der Verlage – deutlich weniger zimperlich. Ich habe bei Astarian manchmal nur thematische Assoziationen zu „Star Wars“ oder „Avatar“ geschaffen – Assoziationen, wohlgemerkt, niemals ein: „So gut wie …! Besser als …! Spannender als …! Ein Muss für alle Fans von …!“ Maximal ein: „Kreativer als …“ – Aber was Exotik und Fantasy-Originalität betrifft, hat mir bisher noch der härteste Kritiker auf seine jeweilige Weise recht gegeben … Was übrigens thematische Vergleiche mit Star Wars oder Avatar angeht, so habe ich sie immer wieder mal gewählt, weil sie mir als die „noch besten“ Vergleiche erschienen – und selbst andere Leser haben das unabhängig von meiner Beeinflussung gesagt. Selbst früher in einem Autorenforum, wo ich fragte, womit man das vergleichen könne und in welches Genre beine Fantasy bloß passt, kam dann als Vergleich am ehesten Star Wars („Avatar“ gab es da noch nicht). – Wobei sich der Roman in der neuen Fassung ein wenig gewandelt hat. Das Thema Absolute Macht und Science Fiction ist ein wenig zugunsten von Astarians Gefühlsleben zurückgetreten und der Touch geht stärker in Richtung Romance Fantasy – wenngleich die „Macht“ immer noch sehr wichtig für die Handlung ist.

Was die derzeit aktuelle Ausgabe von „Astarian“ angeht: Auf Amazon ist nicht mehr die Fassung, die jener Rezensent gelesen hat – ich bin wirklich froh, diese stilistisch nochmals geschliffen zu haben. Stil und Dialoge haben sich sehr stark verändert und auch inhaltlich wurden größere Änderungen aufgrund vom Feedback anderer Rezensenten vorgenommen. Auf Amazon steht aber auch nicht die allerneuste Version – die ist noch immer unveröffentlicht und stilistisch noch etwas gehobener, denn wie gesagt, ich traue mich fast gar nichts mehr und bin eine extreme Idealistin, die eher auf einen einzigen Kritiker hört als auf zwanzig zufriedene Leser, sofern sie dem Kritiker recht gibt … Ich freue mich jedenfalls für die Leser, denen Astarian schon in den ca. drei bisherigen veröffentlichen Versionen gefallen hat.

Was übrigens Rechtschreibfehler angeht: Rein quantitativ dürfte das derzeit erhältliche Astarian-Buch freier von Rechtschreibfehlern als manches „lektorierte Werk“ sein. Aber ich glaube, es sind seeehr vereinzelt ein paar Tippfehler drin, die meist ganz bestimmte Passagen betreffen. Also, wer damit leben kann … Ich selbst lebe übrigens auch damit, so bieten gerade einige meiner Lieblingswerke von namhaften Verlagen auffällig viele Rechtschreibfehler und ich würde trotzdem fünf Sterne vergeben … Ich ändere die Fehler in „Astarian“ nicht, da ich ohnehin eine neue Version herausbringen möchte, unter neuem Titel. Doch leider bin ich damit seeehr langsam (nein, keine Schreibblockaden, vielmehr blockieren mich andere Buchprojekte …). Immer wieder habe ich überlegt, das Buch Astarian vorerst vom Markt zu nehmen, gerade wegen dieser einen Rezension. Die inhaltliche Kritik ist natürlich okay, die muss man als Autorin ja schlucken können und die kann auch weiterbringen und jeder soll das Recht auf seine wahre Meinung haben, aber diesen Satz mit den Freunden … Das kann man als 1-Sterne-Rezensent ohnehin jedem Autor unterstellen, nur weil man selbst das Buch nicht mochte.

Ich könnte wetten, es gibt so viele Bücher, auf die das bestens zutrifft, und keines hat so einen Kommentar. Nur mal wieder ich … Aber das zog sich schon durch meine Schulzeit, ist so ein „hübscher“ Fluch von mir: Alle schwänzen die Schule immer wieder und kein Lehrer sagt irgendwas dazu. Und ich habe das nur zweimal aus unglücklichen Umständen heraus getan und erhalte gleich die volle Härte zurück (wir reden hier von 13 Schuljahren; zweimal in 13 Schuljahren!). Einmal stand zum Beispiel auf dem Vertretungsplan ein Fehler – und ich durfte (weil das so ein strenger Lehrer war) mir gleich eine öffentliche Zurechtweisung anhören und die Unterstellung, ich lüge ihm da mit dem Vertretungsplan was vor. Ließ sich zwar beweisen, aber allein so eine Szene und Diskussion vor der ganzen Klasse … Auch beim dem zweiten Mal gab es gleich so etwas wie die ganze Härte des Gesetzes … Und ich könnte noch ein paar mehr solche verfluchten Situationen aus meinem Leben auflisten.

Und ganz ehrlich: Ich hätte Inka Mareila nicht zum Thema „Ethik auf dem Buchmarkt“ interviewt, wenn ich weiß, dass daneben im Blog das Buchcover von „Astarian“ steht und man so zu besagter Amazon-Rezension kommt. Solche grausamen Ironien finde ich unendlich unangenehm. Anderen Autoren mag das egal sein, mir ist das nicht egal. Ich überlege schon seit zwei Jahren, ob und wie ich mich zu jener Rezension äußern soll.

Noch eine zweite Klarstellung: Jenseits von Amazon existiert noch eine Rezension in einem Forum, wo drinsteht, ich hätte gewisse Wörter „Hunderte Male“ o.ä. verwendet. Ich habe mal in Word mit der Such-Funktion gesucht und kam bei besagten Wörtern auf Werte wie 4 bis 10 Mal pro 450 Seiten. So viel dazu, wie sehr man dem Urteil von Kritikern trauen kann. Genauso zweifelhaft ist es, ob man so etwas wie „GRHKNIRRSCH“ als Beispiel für meinen Stil nennen sollte, wenn dies Wörter so gar nicht repräsentativ für den Stil des Romans ist, sondern nur zweimal im Text vorkommen, wo eine Art Giga-Knall versprachlicht werden sollte. Zugeben, Leser werden mit Gefälligkeitsrezensionen schon mal in die Irre geführt – mit manchen negativen Rezensionen aber leider auch.

Und glaubt mir, ich vertrage durchaus Kritik. Die bisher beste negative Rezension, die ich zu „Astarian“ gelesen habe (ja, ich kann auch negative Rezensionen loben und ein plattes „gefällt mir“ kritisieren), ist die 3-Sterne-Rezension mit dem Titel „Vergeudete Ideen“ auf Amazon. Die ist auch schmerzhaft, aber recht fundiert und fair und ohne Seitenhiebe auf andere Leser oder sonstige Dinge. Ich bin froh, dass nicht alle unabhängigen Leser (und nur die zählen für mich wirklich!) „Astarian“ so bewertet haben wie jene 3-Sterne-Rezensentin und die Geschmäcker verschieden sind,, aber ich verstehe ihre Wahrnehmung. Ihre Kritik habe ich mir sehr zu Herzen genommen, sie war auch für mich hilfreich. In der neuen, noch unveröffentlichten Astarian-Version habe ich deshalb noch sehr umfangreiche Änderungen vorgenommen, gerade was die Tiefe der Charaktere und das Sprachniveau betrifft. Offenbar will konkret meine Leserschaft lieber ein Sprachniveau haben, das recht hoch statt mittel ist – anders kann ich mir das nicht erklären, denn ich sehe so viele Bücher, wo kein Leser über die Sprache der Bücher meckert, obwohl sie viel einfacher ist als bei „Astarian“ …

Nun ja, zu meinem Erstaunen haben sich von „Astarian“ dann doch immer wieder mal ein paar Exemplare verkauft, obwohl da diese eine Rezension steht und ich in Sachen Werbung aus Zeitmangel wegen meines richtigen Berufs fast keinen Finger rühre. Ich habe fast den Eindruck, das Buch verkauft sich besser in meinen werbefaulen Zeiten, als damals am Start, wo ich einiges versucht hatte. Aber ohne Freunde (und vor allem ohne marketingtaugliche Freunde!) und bei viel Erfolg im Hauptberuf ist es schwer, Zeit für die Buchvermarktung zu finden … – Und natürlich freue ich mich nur wirklich über verkaufte Exemplare, wo ich keinen blassen Schimmer habe, wer der Käufer sein könnte, also richtig unabhängige Kunden. Ich bange manchmal regelrecht, bloß keine Nachricht von einem „Bekannten“ zu bekommen, dass er mein Buch gekauft hätte.

Wer übrigens die ganze neue Astarian-Version kostenlos lesen und sich ein Urteil bilden möchte, der kann sich übrigens hier als Testleser melden. Bitte Stichwort „Testleser“ in der Mail angeben.

 

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