Wie viel Werbung darf ein Autor machen, um sein Buch bekannt zu machen?

Interview mit Inka Mareila über Ethik und Moral auf dem Buchmarkt

Liebe Leserinnen und Leser,

wie angekündigt kommt hier das nächste Interview mit der Social-Fantasy-Autorin Inka Mareila. Thema ist diesmal die Buchwerbung von Autoren und auch Verlagen. Es geht um den Wert von Erfolg in unserer Gesellschaft. Und wer denkt, Autoren und Verlage seien so viel edler in ihrer Werbung als zum Beispiel „normale“ Unternehmen oder andere Menschen, der irrt. In jeder Branche und überhaupt in unserem Leben finden wir solche und solche Menschen.

Wer sich für die kreativ sozialkritischen Werke Inhuman Fynomenon oder Schattengewächse – Eine nahe Zukunft: Tod und Spiele von Inka Mareila interessiert, der findet hier ein ebenfalls sehr interessantes Interview, wo die Autorin näher auf ihre beiden Romane aus dem Genre Social Fantasy bzw. Social Science Fiction eingeht.

Genug des Vorspanns. Nun wünschen wir euch viele interessante Erkenntnisse beim Lesen des Interviews!

Liebe Inka, wie siehst du die Ethik auf dem Buchmarkt? Wie viel darf man deiner Meinung nach tun, um ein Buch bekannt zu machen, und wo liegt die Grenze? Was sind beliebte Mittel in der Buchwerbung, die du nicht in Ordnung findest?

Erfolg wird von der Gesellschaft verehrt und um dahin zu kommen, sind alle Mittel recht. Das habe ich selber an einer „Kollegin“ erfahren müssen und ich weiß, dass es noch schlimmer geht. Ich habe da einen recht guten Einblick, weil ich in meiner Verlagsarbeit auch Autoren erlebt habe, die sich für unglaublich wichtig halten und dementsprechend „verbal randalieren“. Was man da mitbekommt, ist oft zum Haare raufen! Geld und Erfolg um wirklichen jeden Preis zu erreichen, ist eben modern.
Ich habe zum Beispiel eine Zeit lang in einer Augenklinik gearbeitet. Wenn die Ärzte dort bestimmte NÖTIGE Behandlungen nicht ausreichend gewinnbringend abrechnen konnten, dann haben sie diese einfach weggelassen. Ganz egal ob der Patient dadurch Schaden nahm.
Ein Mensch, der mit aller Gewalt etwas haben will und seine Gier ernährt, ohne einen Gedanken daran zu verlieren, was Rücksicht bedeutet, der geht bald über Leichen. Dieses Verhalten zu entschuldigen ist einfach: Es machen ja viele so.
Wir sehen häufig, wie Erfolg einen Charakter beeinflusst. Ich habe mich entschieden, ein Mensch zu bleiben. Ich schreibe, weil ich es liebe, nicht weil ich ein Promi werden will. Wenn Erfolg eintritt, dann nehme ich ihn dankend an, aber ich bin kein Mensch, der sich gerne in der Öffentlichkeit präsentiert. Meine Vergangenheit hat mich gelehrt, dass es andere Dinge sind, die wirklich glücklich und zufrieden machen. Und um ausgeglichen zu sein, ist es für mich relevant, auf Lebensfragen die Antworten zu wissen. Die Frage „Ist mit dem Tod wirklich alles vorbei?“ ist zum Beispiel eine davon.

Wird in deiner Wahrnehmung bei der Werbung auf dem Buchmarkt mehr mit fairen Mitteln oder mehr mit unfairen Mitteln gearbeitet? Wie fair findest du Verlage und Autoren dabei, ein Buch bekannt zu machen?

Ist doch immer das Gleiche: Werbung verspricht immer mehr, als wirklich da ist, oder? Allerdings kann man nichts verkaufen, wenn man die Wahrheit sagt – so funktioniert Werbung:
Klopapier „Charmin“ eignet sich auch als Überzug für die Polstergarnitur, sollte man meinen, nachdem man die Werbung gesehen hat, aber die Realität sieht „beschissen“ anders aus!
Die Frage „Fair oder nicht fair“, stellt sich hierbei gar nicht mehr, sondern wenn eine Masche funktioniert, wird sie angewandt. Auch das ist doch schon ganz normal geworden.

Ethisch vertretbare Buchwerbung – ist dies überhaupt möglich oder sind Moral und Wirtschaftlichkeit ein Widerspruch in sich? Kann man als Autor überhaupt großen Erfolg haben, indem man sich nur absolut einwandfreier Mittel bedient?

Ich sage JA, wenn man auch einen kleinen Erfolg dankbar annehmen kann. Trotzdem: Dauerhafter, herausragender Erfolg setzt mehr voraus, als mit lauteren Mitteln auf sich aufmerksam zu machen. Es ist ein Kampf. „Nur die Harten kommen in den Garten“, das sagte ja schon Dieter Bohlen. Viele zerbrechen an dem Druck. Ethisch vertretbar ist möglich, aber weil es um den größtmöglichen Erfolg geht, werden auch die letzten Grenzen überschritten. ABER: Die Leser bestimmen, was ihnen gefällt. Wir Autoren haben das Problem, aus dem Markt herauszustechen. Es gibt so viele gute Bücher, warum also sollte meines unbedingt gelesen werden? Mein Verleger sagt immer, dass ich mir meine Leser erschreiben muss. Vielleicht gibt es ein paar, die meine Bücher gerne lesen – dann bin ich schon glücklich. Denn ich will keinen Erfolgsdruck, ich will nicht ständig einen Thron vor mir sehen müssen und Sklaventreiber hinter mir spüren, die peitschen und schreien: „Weiter, du schaffst es! Du musst auf den Thron, ehe sich ein anderer drauf setzt! Noch einen Erfolg, noch einen Schritt nach vorne! Weiter, weiter, weiter!“

Was wäre aus deiner Sicht anders, wenn alle Autoren und Verlage nur faire Werbung für Bücher machen würden? Wie sähe der Buchmarkt dann aus? Gerne kannst du uns eine kleine Vision skizzieren.

Ich glaube, dass dann viele Talente besser gefördert werden könnten, die derzeit völlig untergehen. Es gibt echten „Schrott“, der hochgelobt wird, den viele gut finden, nur weil ihn jene bejubeln, die in den hohen Kreisen was zu sagen haben. Umgekehrt gibt es echte Diamanten am Grund des Büchermeeres, die kaum einer entdecken kann. Tja, Geschmäcker sind verschieden und die Leser machen deutlich, was sie konsumieren wollen.
Wie auch immer: Es gibt großartige Köpfe da draußen, die aber einfach keine Möglichkeit haben, von ihrer Leidenschaft zu leben. Wäre ja zu schön, um wahr zu sein!

Ich bedanke mich sehr für dein zweites Interview.

Hier findet ihr mehr über die Autorin:

Website von Inka Mareila:

www.inkamareila.de

Bücher von Inka Mareilla:

Inhuman Fynomenon

Schattengewächse – Eine nahe Zukunft: Tod und Spiele

.
(Das Interview führte Annira Falter, Autorin von Astarian. Hier gibt es noch eine Erklärung von Annira Falter zu „Astarian“ in eigener Sache zu dieser Thematik.)

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