Hinter „Heile-Welt-Vorhängen“ tun sich Abgründe auf.

Interview mit Inka Mareilla, einer Autorin der Social Fantasy!

Liebe Leserinnen und Leser,

heute möchten wir euch eine sehr talentierte Autorin vorstellen, deren Social Fantasy Roman Inhuman Fynomenon uns von der ersten bis zur letzten Seite so richtig gefesselt und tief beeindruckt hat: Inka Mareilla. Und wenn wir mal ganz ehrlich sind, kennen wir nicht viele Bücher, wo wir die Aussage „Fesselnd und kreativ ab der ersten Seite“ so richtig zu hundert Prozent unterschreiben können. Klar, Geschmacksache sind Romane immer – aber das Werk traf eben unsere Vorstellung von Originalität, Kreativität und Talent.

Unsere Autorin Annira Falter konnte da nicht widerstehen, ein Interview mit Inka Mareilla zu führen. Ihr könnt euch noch über ein zweites Interview freuen, das auch bald erscheinen wird. Dort geht die Social-Fantasy-Autorin Inka Mareilla speziell auf Ethik bei der Werbung im Buchmarkt ein: Wie viel tut ein Autor, um an die Spitze zu kommen, und wie fair ist das?

So, genug der Vorrede. Wir wünschen euch viel Spaß mit dem Interview einer starken Autoren-Persönlichkeit!

Hallo Inka, du schreibst Romane aus dem Bereich Social Fantasy, etwa „Inhuman Fynomenon“ oder Schattengewächse – Eine nahe Zukunft: Tod und Spiele. Bitte stelle dich uns kurz vor.

Ich bin alleinerziehende Mutter, 32 Jahre jung und das Schreiben habe ich für mich erst 2012 entdeckt. Seither kann ich mich vor Arbeit kaum retten. Da ich auch Cover erstelle und in meinem Verlag für die Manuskriptannahme sowie die Autorenbetreuung zuständig bin, genieße ich meine vielseitigen Aufgaben und konnte meine Lieblingsbeschäftigungen in einem „Berufspaket“ zusammenschnüren. Ich finde es hochinteressant, mich mit Menschen auseinanderzusetzen, die alle vor Kreativität übersprudeln.

Was hat dich bewogen, Social Fantasy bzw. Social Science Fiction zu schreiben? Was waren beispielsweise die Anstöße für „Inhuman Fynomenon“ oder „Tod und Spiele“?

inka-mareilla-2Schau dich um! Was sehen wir in den Nachrichten? Was erleben wir in unserer Nachbarschaft? Hinter „Heile-Welt-Vorhängen“ tun sich Abgründe auf. Um Armut, Missbrauch, Mobbing, Ignoranz, Brutalität und Herzlosigkeit zu beobachten, müssen wir nicht erst in ein Kriegsgebiet reisen: Es passiert jeden Tag, direkt in unserem Umfeld.

Die Schicksale der anderen lassen mich niemals kalt, sondern berühren mich sehr. Auch ich musste in meiner Kindheit und Jugend Dinge ertragen, deren Verletzungen lange brauchten, um zu heilen. Das verarbeite ich mitunter in meinen Büchern. Dabei gewinnt aber immer eines die Oberhand: Mein ungebrochener Optimismus, der Glaube an das Happy End in der Realität.

Was ist das Besondere an deinen Romanen? Warum sollten wir sie unbedingt lesen? Was willst du den Lesern mit auf den Weg geben?

inka-mareillaWas alle meine Bücher unterschwellig mitteilen, ist, dass egal wie ausweglos eine Situation erscheint, immer eine Lösung existiert. Wenn man mit einem starken Willen durchs Leben geht, wird man siegen. Ein Held ist jeder, der seinen ganz persönlichen Lebenskampf nicht aufgibt, sondern sich höchstens vom Tod stoppen lässt. Die Helden in meinem Büchern sind niemals Schönlinge oder berechenbare Charaktere. Sie kämpfen sich durch Dreck, zweifeln an sich selbst oder ihren Freunden, wissen oft nicht, was richtig ist, aber sie geben nicht auf. Ich verachte klischeehafte Plots, Proleten oder patriotische, weichgespülte Storys, deswegen schreibe ich ehrlich und hart: So wie das Leben ja auch ist.

Aufrütteln oder unterhalten? Was ist dir bei deinen Romanen wichtiger oder wie verbindest du das miteinander?

Ich liebe es beides zu verbinden, denn ich möchte niemals, dass sich ein Leser belehrt vorkommt. Meine Geschichten sollen wie Wolken vor einem blauen Himmel sein: Du kannst dich auf die Wiese legen und ihnen einfach zuschauen, sie vorbeiziehen lassen. Aber wenn du willst, kannst du versuchen, in ihnen Monster, Gesichter oder Tiere zu erkennen. Ich möchte mit meinen Geschichten jedem selber überlassen, ob und was er zwischen den Zeilen sehen möchte.

Was zeichnet die Charaktere deiner Romane aus? Skizziere uns einen oder zwei Protagonisten deiner Romane?

Einer meiner stärksten Charaktere ist Calan Macaulay, der Held aus Tod und Spiele, einem Sonderband in der „Schattengewächse“-Serie von Philipp Schmidt.

Calan, ein hochgelobter Nationalspieler einer mörderischen Sportart, ist ein Mistkerl. Er verhält sich stets unangepasst, vulgär und sein eigenwilliger Humor spiegelt seine Respektlosigkeit wider. Er hat vor nichts Angst, außer vor der Niederlage seiner Mannschaft. Sein Tunnelblick hat ihm lange die Sicht auf das wahre Leben verwehrt. Erst die Liebe zu seinem Sohn kann seine harte Schale – wenigstens ein kleines Stück – aufbrechen. Ihn zu „schreiben“ hat mir richtig Spaß gemacht, denn er tritt wirklich jedem auf die Füße, und das macht er mit einer so schrägen Arroganz, dass man ihn einfach lieben muss. Letztlich löst er mit seiner unerschrockenen Art eine Revolution aus.

Dann gibt es da noch Fyn, den Helden aus Inhuman Fynomenon. Er ist zu meinem Liebling geworden. Fyn hat eine bessere Hälfte: seinen Kumpel Keylan. Wenn die beiden zusammen sind, entstehen unweigerlich Dialoge, die selbst in unheimlichen Situationen humorig sind. Das liegt schlicht daran, dass Frauenschwarm Keylan sehr tollpatschig, schreckhaft und ständig besorgt um sein Leib und Leben ist, während sein Freund Fyn ihn ja ständig den übelsten Situationen ausliefern muss. Fyn ist ein Hybrid, er wurde von einem Wissenschaftler gezüchtet, um die Screecher zu bekämpfen. Seine Fähigkeiten sind erschreckend, deshalb wird er von der Gesellschaft verachtet. Er wird fälschlicherweise den Missgeburten zugeordnet, den Mutanten, die sich in dieser Geschichte durch eine chemische Verseuchung genetisch verändert und zudem stark verbreitet haben.

Was sind deine größten Herausforderungen beim Schreiben? Und was siehst du als besondere Herausforderung bei Social Fantasy bzw. Social Science Fiction an?

Für mich ist es sehr wichtig, keine Langeweile aufkommen zu lassen und mich vom Mainstream abzuheben. Gerne möchte ich den Leser das erleben lassen, was ich direkt vor mir sehe. Ich wünsche mir, dass meine Geschichten in den Köpfen der Leser wie Filme ablaufen und die Charaktere authentisch und stark rüberkommen. Es geht mir um die Erschaffung tiefer Gefühlswelten und nachvollziehbare Reaktionen der Protagonisten. Gerade bei sozialkritischen Themen sollen die angewandten Metaphern nicht zu abgehoben oder gar arrogant dargestellt sein. Ich denke, die Herausforderung ist es, die Leser auf eine sehr subtile Weise zum Nachdenken anzuregen, sodass sie trotzdem das Gefühl behalten, gut unterhalten zu werden. Ein gute Portion Witz darf da nicht zu kurz kommen!

Welche sozialkritischen Themen greifst du in deinen Social-Fantasy-Romanen am liebsten auf? Welche sozialen, wirtschaftlichen und politischen Konflikte findest du im 21. Jahrhundert so aktuell, dass du unbedingt Bücher über sie schreiben musst?

Ignoranz ist ein großes Thema und das Mitschwimmen im Strom. So viele prüfen nicht, was sie tun, sondern machen einfach das mit, was die Allgemeinheit vorlebt oder was als modern tituliert wird. Ich habe das Gefühl, dass sich viele gar nicht mehr trauen, anders zu sein, sondern um jeden Preis nach der Beliebtheit der Masse streben. Oft frage ich mich, wo die Natürlichkeit geblieben ist. Menschen vergessen die (kleinen) Wunder der Schöpfung, stattdessen suchen sie ihr Seelenheil in extremen Sportarten oder glauben, dass sie ihr Glück im Geld oder Erfolg finden. Dafür sind sie sogar bereit, das Wohl ihrer Familie zu opfern. Von den Kriegen, Schönheitswahn, Tierquälerei und verhungernden Kindern möchte ich gar nicht erst sprechen.

Wie siehst du die Entwicklung von Social Fantasy bzw. Social Science Fiction und verwandten Genres insgesamt? Sind sie ein Trend, ein Nicht-Trend oder einfach etwas Zeitloses?

Ich glaube, dass die meisten Menschen nicht hinsehen wollen, ja, dass es ihnen lieber ist, das Unglück um sich herum zu verdrängen. Es ist nicht schön, Unglück zu erleben, und warum sollte man sich selber zusätzlich mit nachdenklichen Büchern belasten? Zeitverschwendung, oder? Sozialkritische Bücher werden niemals ein Trend sein, sondern die Leser greifen am liebsten zu weichgespülten Heile-Welt-Büchern. Liebesromane haben Hochkonjunktur. Oder Horror, da können sich die Leute gruseln, sich freuen, dass ihre Situation besser ist als die der leidenden Protagonisten, die gegen Zombies ankämpfen müssen. Bei Horror und Splatter können sich die Leser ekeln und stumpfen noch mehr ab. Ich habe mich entschieden, keinen Horror mehr zu schreiben. Mein Trip ist jetzt ein anderer. Und hätte ich eine Wunderlampe, dann würde ich mir eine Sensibilisierung für all jene wünschen, die entweder eine „Scheißegal-Haltung“ gegenüber ihren Mitmenschen eingenommen haben oder mit ausgestreckten Ellenbogen auf der Erfolgsleiter ganz nach oben wollen.

Recht aktuell ist ja die verfilmte Jugendbuch-Reihe „Die Tribute von Panem“, die man auch in Social Science Fiction einordnen könnte. Wie ist deine Meinung zu diesen Werken bzw. Filmen und finden Leser der Hungerspiele-Reihe in deinen Romanen ähnliche Themen wieder?

Ja. Ich stelle darin auch Abartigkeiten dar, die von der Gesellschaft akzeptiert werden. Abgestumpftheit ist das Stichwort. Das Erschreckende ist, dass ich mir wirklich vorstellen kann, dass Szenarien wie bei „Running-Man“ oder „Die Tribute von Panem“ irgendwann real sein könnten, weil das Gewissen vieler Menschen rapide nach unten saust. Das, was früher undenkbar war, ist heute normal. So geht es weiter. Wir übertreten permanent kleine Grenzen und merken deshalb gar nicht mehr, worauf wir zusteuern. Es ist wie mit einem Kind: Die Eltern bemerken kaum noch, wie schnell es wächst, weil es permanent passiert. Und schwups, schon ist es groß.

Was sind deine weiteren Pläne als Schriftstellerin und wo finden wir dich im Web?

Ich habe noch viiiiiel vor! Auf meiner Webseite www.inkamareila.de findest du alles Aktuelle über meine Projekte sowie Fotos, neue Cover und Ankündigungen, wobei ich ein paar Dinge selbst dort nicht verraten möchte. Ich habe Ideen, die mir zu wertvoll sind, sie öffentlich zu machen. Irgendwann werde ich aber auch diese ans Licht holen.

Vielen Dank für Dein Interesse 🙂

Alles Liebe von mir, und ich wünsche den Lesern weiterhin viel Freunde am Lesen und beim Entdecken der Bücherwelt!

Vielen Dank für das Interview. Ich wünsche dir noch viel Erfolg als Autorin und bleibe gerne mit dir in Kontakt.

——————

Bücher von Inka Mareilla:

Inhuman Fynomenon

Schattengewächse – Eine nahe Zukunft: Tod und Spiele
.
(Das Interview führte Annira Falter, Autorin von Astarian.)

Am 11. Dezember wird noch im Blog erscheinen: Inka Mareilla: „Wie viel Werbung darf ein Autor machen, um sein Buch bekannt zu machen?

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