Hisahi Sakaguchi: Ikkyu (Manga Rezension)

5 von 5 Sternen

 

Meine Meinung zur Manga-Reihe

Ikkyu

(Band 1 bis 5)

 

 

Inhalt von „Ikkyu“

In den fünf Bänden der Manga-Reihe „Ikkyu“  von Hisahi Sakaguchi geht es um das Leben des Mönchs Ikkyu, der tatsächlich gelebt hat. Er gilt als einer der berühmtesten Protagonisten des Buddhismus und stammt aus dem mittelalterlichen Japan. Obwohl er dem Manga zufolge eigentlich der Sohn eines Kaisers ist, haben die Umstände dazu geführt, dass der kleine Ikkyu und seine Mutter fernab des Hofes unter dem einfachen Volk leben.

In Band 1 ist Ikkyu noch ganz der folgsame Mönch-Novize, der brav und überzeugt nachbetet, was er bei seinem ersten Meister so lernt: „Das ist rein,  das ist unrein … bla bla“ und Meditation im Schneidersitz reinigt die Seele und was auch immer. Er läuft auch in klassischer buddhistischer Mönchskutte herum mit kahlgeschorenem Kopf. Aber irgendwas fehlt Ikkyu an dieser Interpretation Buddhas und er macht sich auf die Suche nach neuen Meistern – die ihn das Gegenteil dessen lehren, was er in den noblen Tempeln kennengelernt hat. Bald legt Ikkyu das Mönchsgewand ab und lebt als Wander- und Bettelmönch – und zunehmend verbreitet er seine eigenen Lehren.

Bei den klassischen Mönchen ist der Wandermönch Ikkyu mehr und mehr verhasst, während er bei der damaligen Bevölkerung zum Kult wird. Im Grunde ist Ikkyu das für den Buddhismus, was Jesus fürs Judentum war – bereits bei der zeichnerischen Darstellung und der deutschen Übersetzung kann man das Gefühl haben, dass er Jesus irgendwo ähnelt (wenngleich deutliche Unterschiede da sind). Ikkyu ist der Gegner der Schriftgelehrten oder vielleicht auch der Martin Luther, der gegen den Ablasshandel und die noblen Geistigen der katholischen Kirche rebelliert. Kurz: der Nonkonformist und zwar einer mit Hang zum Verrückten. Obwohl Ikkyu einerseits an Buddha als Vorbild der Erleuchtung nicht zweifelt, verbreitet er oft ausgesprochen simple Lehren: Ein Stein ist nur ein Stein, der Himmel ist nur der Himmel – und mit Geistern und Unglück hat das all gar nichts zu tun. Man könnte ihn in gewisser Weise auch als Atheisten ansehen.

 

Meine Bewertung von „Ikkyu“

Der Manga „Ikkyu“ ist ein erstklassiger Manga, bei dem sich auch Erwachsene nicht kindisch vorkommen müssen, wenn sie ihn lesen. Die Figuren sind zeichnerisch gut gelungen und der Mangaka Hisahi Sakaguchi schafft es, die Geschichte vom Zen-Meister Ikkyu ausgesprochen lebendig und interessant zu gestalten – durchaus eine gute Leistung, da man hier im Vergleich zu anderen Mangas eher trockenen Stoff hat.

Und dann sind alle Ikkyu-Bände noch deutlich dicker als normale Mangas, vielleicht doppelt so dick. Was Ikkyu besonders interessant macht, sind zweierlei Dinge: Das Nachverfolgen von Ikkyus philosophischen und religiösen Erkenntnissen sowie sein origineller Witz und seine Schlagfertigkeit, wenn ihm die traditionellen Mönche oder jemand aus der Bevölkerung eins auszuwischen versuchen. Wie gesagt, es fühlt sich ähnlich wie bei Jesus und den Schriftgelehrten an. Man ist immer wieder neugierig, was sich Ikkyu als Nächstes ausdenkt und was seine neuen Meister und Erkenntnisse sein werden – wobei Hisahi Sakaguchi am Ende der Manga-Reihe zugibt, dass der hier dargestellte Ikkyu nur bedingt was mit dem wahren Ikkyu zu tun hat. Vielmehr ist der Ikkyu-Manga die Idealversion eines religiösen Non-Konformisten, wie sie viele Religionen als Nebenprodukt hervorbringen.

Daneben erzählt Hisahi Sakaguchi in der Manga-Reihe „Ikkyu“  auch Passagen aus der frühmittelalterlichen japanischen Geschichte mit den Shogunats, Kriegen, Hungersnöten, Künstlern und was es da sonst noch gibt – durchaus auch mal lexikalisch mit vielen Daten und Namen, man kann sich an ein Geschichtsbuch erinnert fühlen. Einige dieser Passagen fand ich interessanter, einige weniger. Grundsätzlich sind die Passagen, wo es konkret um das Leben von Ikkyu geht, viel spannender. Selbst wenn einige Bildungsbürger es anders sehen mögen, aber diese Daten und Namen aus der japanischen Geschichte muss man aus meiner Sicht nicht gelesen haben und nicht wissen – so wie ich finde, dass man auch nicht alles, was wir an Daten und Namen in unseren Schulen in Geschichte lernen, unbedingt wissen muss.

Ein Rätsel waren mir zudem die Künstlerpassagen, also von japanischen Schauspielern mit Masken. Da fragte ich mich öfter: Was soll das? Wie hängt das mit dem Rest der Geschichte zusammen? Ich betrachte diesen Erzählstrang mal als so eine Art japanische Kunstgeschichte. Vielleicht waren diese Leute ja die japanischen Shakespeares oder Ähnliches. Aber wie gesagt, als Nicht-Japanerin, die nur die Kulturepochen und Konzepte der europäischen Geschichte kennt, konnte ich damit wenig anfangen und wenig den Symbolcharakter erkennen.

 

Fazit zum Manga

Wer mal Mangas mit Niveau lesen möchte und zudem Comics, mit denen man sich auch als Erwachsener getrost blicken lassen kann, der sollte „Ikkyu“ von Hisahi Sakaguchi unbedingt lesen. Objektiv betrachtet muss man einfach anerkennen, dass Ikkyu ein sehr guter Manga ist, selbst wenn er so ganz und gar nicht in die Liga der üblichen Mädchen- und Jungen-Mangas fällt. Trotz einiger Passagen, die mich persönlich nicht so sehr interessierten, vergebe ich 5 Sterne für jeden einzelnen Ikkyu-Band. Ikkyus Witz, Weisheit und Selbsterkenntnisse sind einfach wunderbar unterhaltsam und man kann auch für sich was draus mitnehmen.

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