Leserbedürfnisse oder: Warum man es nicht allen Lesern recht machen kann

Viele Autoren kennen es: Man kann es nicht allen Lesern recht machen und wenn man Testleser um Feedback bittet, bekommt man manchmal die unterschiedlichsten Meinungen. Im Folgenden habe ich mal einiges aufgelistet, was mir so oder ähnlich schon öfter an widersprüchlichen Meinungen zu Texten begegnet ist.

 „Du erklärst zu viel!“ – „Das versteh ich nicht!“

Leser haben verschiedene Leseintelligenz und unterschiedliche Wissensbestände – und das lassen sie munter an den Büchern aus, die sie gerade lesen. Deshalb so kommt es vor, dass der eine Leser jammert, dass der Autor die Dinge ständig erklärt und wiederholt, da doch alles klipp und klar sei – und der andere Leser findet es immer noch zu kompliziert: „Das hier hätte man aber auch ausführlicher erklären können und was die Figuren hier tun und denken, ist für mich überhaupt nicht nachvollziehbar.“

„Beschreibungen sind langweilig!“ – „Ich kann mir deine Figuren nicht vorstellen!“

Bloß keine Beschreibungen! Für manche Leser sind sie die Inbegriff der Langeweile. Beschreibungen sollen so knapp wie möglich sein, oder am besten ganz wegfallen. Ich selbst komme der Sparsamkeit bei Beschreibungen in meinen Romanen zwar liebend gerne nach, andrerseits melden sich dann wieder die Leser, die sich die Figuren und die Welt nicht vorstellen können. Während es die einen nicht interessiert, ob der Held braunes oder blondes Haar hat und sie sich das frei nach Fantasie ausmalen, scheint anderen das sehr wichtig zu sein, um ein Bild im Kopf zu bekommen.

„Steig mit Action ein!“ – „Zeig uns erst mal das Setting!“

Wer als Autor Rat beim Schreiben sucht, der bekommt öfter zu hören, dass er mit Handlung einstiegen soll, mit einem Konflikt. Wiederum gibt es auch Stimmen, die klagen, dass Autoren manchmal den Fehler machen, ihre Figuren an Romananfang nicht klar im Raum zu verorten, sie „handeln“ also im Nirgendwo. Und so gibt es wieder Leser, die mehr oder mehr das andere stört …

„Maximale Spannung am Anfang!“ – „Ich will mit deinen Figuren erst warm werden!“

Manche Leser „leben“ gerne mit den Figuren. Sie sind ihnen einfach sympathisch, sie begleiten sie gerne bei ihrer Freude und ihrem Leid – auch wenn die Handlung nicht so rasant ist und vor sich hinplätschert. Andere Leser mögen hingegen mehr die Krimiversion, wo es klare Konflikte gibt und sich die Handlung schnell entwickelt. Figuren dienen hier mehr dazu, die Handlung voranzutreiben und müssen eine klare Funktion in der Story haben.

Und welche Lesertypen seid ihr? Mögt ihr mehr einen langsameren Einstieg mit Beschreibungen und Figurenvorstellung oder mehr einen Einstieg, wo ihr gleich in die Handlung und den Konflikt hineingeworfen werdet? Hinterlasst doch eurer Statement als Blogkommentar!

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2 Antworten zu Leserbedürfnisse oder: Warum man es nicht allen Lesern recht machen kann

  1. Hannah S. Baum schreibt:

    Das ist ein super-schwieriges Thema. Ich persönlich kenne diese Mäkeleien aus Erfahrung und weiß, wie wenig konstruktiv es ist, wenn der eine sagt: „Das ist Mist! Mach’s anders“, und der andere: „Super-toll! Weiter so!“. Als Autor ist es extrem schwer abzuwägen, wie weit und welchen Leserbedürfnissen man nachgibt.
    Ich selbst kann mich als Leser nicht ganz entscheiden. Ich bin zwar kein großer Fan von langen Beschreibungen, aber wenn das Buch gut geschrieben ist, machen sie mir nichts aus. Ansonsten ist mir in medias res eigentlich immer am liebsten. Wenn das Buch nicht direkt mit der Handlung beginnt, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass ich nach den ersten 10 Seiten aufgebe.

  2. flyfictionfantasy schreibt:

    Ja, man muss sich entscheiden, welchen Lesebedürfnissen man nachgibt und welche Meinungen wirklich von der angepeilten Zielgruppe kommen. Der Witz ist, dass auch kleine Statistiken nicht repräsentativ genug sind. Bei z. B. 20 Test-Lesermeinungen kann man immer noch die falschen Leser erwischt haben, die dann eher nicht mit der Wahrnehmung der meisten Leser übereinstimmen. Auf der anderen Seite staunt man immer wieder, wie viel eine einzige Meinung schon aussagen kann.

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