Studie: Welches der großen Literaturportale ist das beste?

Vor einiger Zeit wurden ich und 299 andere Literaturblogger zu einer interessanten Umfrage eingeladen, wo es um die Bewertung der großen Literaturportale ging. Darunter waren zum Beispiel ZEIT ONLINE, SPIEGEL ONLINE, FOCUS, FAZ ONLINE und die Perlentaucher.

Ergebnisse der Umfrage: ZEIT ONLINE ist das beste Literaturportal

Das beliebteste Literaturportal der Blogger ist ZEIT ONLINE. 45 % der Teilnehmer nennen dies ihren Favoriten. Auf Platz zwei folgt der Perlentaucher. Wenn die Literaturblogger sich also entscheiden müssten, nur noch zwei Portale zu beobachten, würden sie diese beiden wählen. Damit scheint die ZEIT klar vor den anderen Online-Zeitungen wie FAZ und TAZ zu liegen.

Ich denke mal, der Perlentaucher kam auch deshalb auf Platz zwei, weil er sich klarer von den Zeitungs-Portalen abhebt und damit am meisten als eine Alternative wahrgenommen wird. Wenn ich mich aus x Angeboten für zwei entscheiden sollte, wähle ich besser zwei verschiedene als zwei ähnliche. Was ist der Unterschied zwischen SPIEGEL und Stern? Ich denke, diese Frage ist weitaus schwieriger zu beantworten, als was der Unterschied zwischen SPIEGEL und Perlentaucher ist.

Breite, Tiefe, Gestaltung und Aktualität der Literaturportale: ZEIT ONLINE und Perlentaucher haben die Nase vorn

Auch bei der Betrachtung der einzelnen Kriterien erhielt ZEIT ONLINE oft gute Noten. So schnitt ZEIT ONLINE in allen Bereichen mit 1,8 bis 2,0 ab. Dagegen kamen Focus Online, der Stern, TAZ und WELT ONLINE mit Noten im 3-er Bereich eher schlecht bei den Bloggern weg. In Bezug auf Informationsbreite und Aktualität toppte der Perlentaucher die Zeit aber noch mit der Note 1,6.

Welche Rolle spielt die Bekanntheit für die guten Note der Buchportale?

Mir stellt sich die Frage, ob die Noten der Literaturportale teilweise nicht auch andere Ursachen haben. Wie sehr spielt der Effekt „Das Portal kenne und nutze ich, also wird es gut sein“ eine Rolle? In der Umfrage wurde über ziemlich viele Literaturportale gefragt. Wer beobachtet wirklich alle Literaturportale so intensiv, dass er da klar sagen kann „Dieses ist besser in Sachen Breite, Tiefe, Aktualität usw.“? So sagen die Initiatoren der Studie selbst: „[…] eine 3,2 für die taz, deren Literaturangebot übrigens nicht gerade leicht zu finden ist“. Da kann man sich schon fragen, wie sehr die Noten mit der Bekanntheit der einzelnen Literaturportale zusammenhängen. Ich persönlich neige übrigens auch dazu, die ZEIT am besten zu finden – einfach weil ich am häufigsten über Artikel von ihr „stolpere“ und sie „an sich“ gut finde. Ich stelle aber nicht direkte Vergleiche an, wie gut die Berichterstattung der ZEIT in Relation zum SPIEGEL ist.

Aber die Initiatoren der Studie haben aus meiner Sicht die richtig gefolgert:

So haben manche Befragte einige Notenfelder nicht ausgefüllt, weil sie sich aus Unkenntnis nicht zutrauten, diese Portale zu bewerten. Das betrifft vor allem das Literaturangebot der TAZ und der WELT. Dieses Ergebnis solle man sich zu Herzen nehmen.

Weitergedacht bedeutet dies: Ein gutes Literaturportal wird mit der Zeit auch ein bekanntes Literaturportal werden. Auch wenn Bekanntheit und Qualität oft genug nicht perfekt miteinander korrelieren – so sind Bestseller keineswegs immer gute Bücher –, so gibt es dennoch einen gewissen Zusammenhang. Die Initiatoren erwähnen sogar selbst die „bibliometrische Zitationsanalyse“. Das bedeutet, dass hochwertige Artikel vom Fachpublikum als solche erkannt und entsprechend häufig zitiert werden. So ist es wahrscheinlich zu erklären, warum ich häufiger auf ZEIT ONLINE statt auf WELT ONLINE stoße, wenn es um Literaturartikel geht. Diese werden in den Foren und Netzwerken, wo ich mich bewege, wohl häufiger verlinkt.

Bemerkenswert ist, dass die Initiatoren dieser Studie sich über die Methodik wirklich Gedanken gemacht haben – aus meiner Sicht die richtigen. Man kann am Ende ihres Blogartikels einen ausführlichen Methodenbericht lesen.

Weitere Gedanken: Was ist eigentlich ein Literaturportal?

Ich verwende diesen Begriff selbst gerne, auch wenn ich mir über seine Schwammigkeit bewusst bin. DIE ZEIT, FAZ, TAZ, SPIEGEL, Stern und Co. sind für mich eigentlich Zeitungen oder Magazine. Wenn wir diesen Namen hören, denken wir eigentlich nicht an ein „Literaturportal“, wenngleich sie alle ihren Feuilleton-Teil haben bzw. ihren Kultur- und Literaturteil oder wie auch immer man diese Sparte nennen mag. Umso erstaunter war ich, dass inmitten all dieser großen Zeitungen auch die Perlentaucher auftauchten. Die fielen für mich klar aus der Reihe, was ich den Initiatoren der Umfrage auch in meiner Interview-Antwort schrieb. Würde ich einen IQ-Test oder etwas Ähnliches vorgelegt bekommen und ich hätte ankreuzen sollen, was nicht zum Rest passt, wäre meine Wahl auf die Perlentaucher gefallen. Das ist nicht wertend gemeint, sondern es ist nur eine Feststellung.

Die individuellen Antworten einiger Teilnehmer machen die Frage, was ein Literaturportal ist, auch nicht gerade einfacher. Unter den vereinzelten Favoriten-Nennungen befindet sich das Netzwerk Lovelybooks ebenso wie das Börsenblatt des Buchhandels und Shops wie Buecher.de und Amazon. Hm, warum bin ich nicht selbst auf solche Antworten gekommen??? Wenn man den Begriff „Literaturportale“ so weit fasst, hätte man auch den Buchreport und Buchmarkt.de (beides Magazine mehr für Verlags- und Buchhandelsmenschen) sowie eine ganze Reihe von Literaturforen (Büchereule, Literaturforum.de, Büchertreff) darunter fassen können.

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