Interview mit dem Autor Joachim Sohn (Animal Fantasy)

Reihe: Interviews mit Autoren

— heute zu Gast: Joachim Sohn, Autor von „Perm – Eine Urzeit-Heldenreise“

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1. Hallo Joachim, du hast einen Fantasy-Roman aus dem Genre Animal Fantasy geschrieben. Bitte erzähle uns kurz, worum es in deinem Buch „Perm – Eine Urzeit-Heldenreise“ geht.

Joachim Sohn: Die Geschichte beginnt mit einer sensationellen Entdeckung. Bei Erdgasbohrungen werden 250 Millionen Jahre alte Erdschichten freigelegt, deren Inhalte Hinweise auf eine Kultur geben, die weit vor der uns bekannten Evolution und Zivilisierung des Menschen liegt. Es werden Aufzeichnungen gefunden, drei Bücher, die wie alte Sagen die Geschichte eines Helden erzählen. Man erfährt so, wie die ersten Säuger lebten, vor dem größten Massenaussterben an der Perm-Trias-Wende,  weit vor der Katastrophe mit den Dinosauriern. Was die Forscher dabei besonders verblüfft ist, dass die Bücher, die in einem Vakuum die Zeit überdauern konnten, nicht größer als eine Streichholzschachtel sind. Denn die ersten intelligenten Wesen, die diese Erde bevölkerten, so erfahren sie, waren nicht menschenähnlich sondern Nagetiere. Das ist der Prolog. Danach folgt die Heldenreise von Keldris U’belveba (aus dem Belvetal), dessen Sippe, einfache Tennuris, ihr Tal verlassen haben, um in der beginnenden Eiszeit neue Futterquellen zu suchen. Die Waise Kandia, die von Keldris Familie aufgenommen wurde, begleitet sie. Doch sie hat von den ’neuen Tennuri‘ gehört, einem Volk, das in großen Bauten lebt, sesshaft ist und viel weiter entwickelt als ihr Nomadenstamm. So beschließt sie, ihre Gruppe zu verlassen und zu dieser neuen Art,  den ‚Manoii‘ überzulaufen. Deren Späher haben die Gruppe bei ihrem mühsamen Marsch durch die verschneiten Berge entdeckt und schon eine Weile beobachtet.  Aufgrund Kandias Verhalten erwarten sie schon, dass jeden Moment zur Flucht bereit ist und bereiten sich auf ihren Geleitschutz vor. Keldris Heldenreise beginnt an dieser Stelle. Er liebt Kandia und will sie nicht verlieren. Dass er dabei das größte Abenteuer seines Lebens bestehen muss, ist ihm natürlich nicht bewusst.

Werk von Joachim Sohn:
Keldris und Kandia #1

2. Warum hast du dich für das Genre Animal Fantasy entschieden? Wie kamst du auf dieses Genre?animal-fantasy-2

Joachim Sohn: Als ich mir die Geschichte ausgedacht habe, wusste ich noch gar nicht, dass es so etwas wie Animal-Fantasy als Genre gibt. Wenn man ein Exposé erstellt muss man ja ein Genre angeben. Da hatte ich zu Beginn wirklich Schwierigkeiten. Für mich ist PERM einfach Fantasy, aber für die Anhänger klassischer Fantasy überhaupt nicht. Schließlich kämpfen darin keine Orks gegen Elben und/oder Zwerge. Ich wollte mir meine eigene Welt und meine eigenen Figuren ausdenken und nicht mit der zigsten Tolkien-Kopie die Bedürfnisse des Buchmarktes bedienen. Gehören Titel wie ORKS oder ZWERGE nicht eher in die Kategorie Fanfiction? Und gilt das dann auch für Dracula? Oder anders: sind Vampire Volksgut so wie Gartenzwerge? und werden Hobbits jemals Volksgut sein? Naja, egal. Ich wollte ja ursprünglich keinen Fantasy-Roman schreiben sondern die Geschichte, die ich mir ausgedacht habe. Und da ich von Kind auf begeistert war von den großartigen Disney-Filmen wie Bernhard und Bianca oder Cap und Capper (den habe ich mir sogar im Italien-Urlaub auf Italienisch angeschaut habe, si si) und auch den Filmen des Disney-Abtrünnigen Don Bluth, Mrs. Brisby, Feivel und so weiter, zudem immer Tiere hatte, mag, verteidige und mir Geschichten für sie ausdenke, lag es für mich auf der Hand,  dass meine Protagonisten aus der Tierwelt kommen. Ich musste sie jetzt nur noch einem Genre zuordnen. Ich hatte keine konkrete Vorstellung davon, zu welchem Genre man Feivel oder Bernhard und Bianca zählt: Abenteuer? Historienroman?  Märchen?

Zu Beginn habe ich noch All-Age-Fantasy und Fabel geschrieben. Aber das passte auch nicht wirklich. Dann kam ich irgendwann auf den Begriff Animal-Fantasy. Da steckte alles drin, was ich an Typisierung brauchte und modern klingt es auch noch. Umso schöner war es dann als ich feststellen durfte, dass es dieses Genre tatsächlich gibt 🙂

3. Gibt es Animal Fantasy Romane, die dich inspiriert haben? Wenn ja, welche?animal-fantasy-3

Joachim Sohn: (Um besser auf meine Inspirationsquellen eingehen zu können, übergehe ich jetzt mal das Wort Roman)

Hauptsächlich die bereits oben genannten Disney-Filme. Angefangen hat es aber mit einfachen Cartoons. Ich war schon als Kind fasziniert von Trickfilmen. Der erste Cartoon-Film, der mich dazu inspiriert hat, eine Geschichte zu zeichnen, war Fred Basset, ein launiger Basset-Hund, der sein Herrchen durch seine Trägheit und seine tierische Sicht auf den Menschen in den Wahnsinn treibt. So eine Art Garfield oder Simon the Cat für Hunde. Bei uns sind mit dieser Figur auch die Comicstrips namens ‚Wurzel‘ bekannt.  Das lief in den Siebzigern im Vorabendprogramm, ein Fünfminüter. Jedenfalls habe ich schon damals beschlossen, Autor von Trickfilmstoffen zu werden.

Beeinflusst haben mich natürlich auch die Arbeiten von Jim Henson, so wie der dunkle Kristall oder die Block-Buster von George Lucas und Steven Spielberg. Ein guter Freund und ich, wir haben uns damals eine mehrteilige Science-Fiction-Geschichte ausgedacht, inklusive Entwurfszeichnungen der Charaktere, Raumschiffe und eigener Schrift.

Ein Animal-Fantasy-Buch habe ich gar nicht gelesen, ich kenne alle AF-Geschichten nur aus Trickverfilmungen. Egal ob Kimba, der weiße Löwe oder Animal Farm. Ich würde sagen, dass etwa 80 Prozent der Trickfilme, egal ob 2D, 3D oder Puppentrick von Aardman Tiere als Helden haben.

Ich hatte als Kind Hamster, und mir war klar, dass sie die Hauptrolle in meiner Geschichte spielen werden. Jetzt sind es Urzeitnager geworden. Und das Ziel, die Kerlchen mal auf der großen Leinwand zu sehen, habe ich noch nicht aufgegeben.

http://www.catonawheel.blogspot.de/2012/12/ja-schau-der-bub-is-inne-waz-oberhausen.html

4. Wie schätzt du die Beliebtheit von Animal Fantasy in Deutschland ein? Welche Verlage für Animal Fantasy kennst du?animal-fantasy-4

Joachim Sohn: Also wenn ich da selbst nähere Informationen hätte,  ist ja schließlich mein Zielpublikum, wäre ich schon einen Schritt weiter. Wenn Du mich jetzt nach dem upcoming Subgenre Steampunk gefragt hättest, hätte ich Dir einige Namen nennen können. Als ich meine Illustrationen auf deviantArt hochgeladen habe, habe ich mal nach einer Animal-Fantasy-Gruppe geforscht. Es gibt da welche, verglichen mit anderen Gruppen der Seite aber recht spärlich besucht und die meisten Arbeiten beschränken sich auf esoterische Tieraquarelle. Eigene Verlage gibt es dafür aber nicht. Solche Titel werden im Fantasygenre einfach integriert. Aus Deutschland kenne ich keine neueren Titel, die wenigen, die ich kenne, (aber ’noch‘ nicht gelesen habe), kommen aus dem englischen Sprachraum, wie zum Beispiel die Redwall-Bücher von Brian Jaques, die auch schon als Serie verfilmt wurden oder die Welkin-Wiesel Reihe von Garry Kilworth. Die Wiesel-Cover sind übrigens super. Auch zu Redwall existieren großartige Illustrationen und eine Menge wirklich gut gemachter Fan-Art. Seit 2005 gibt es zudem eine gute Graphik-Novel mit Nagern im Mittelaltergewand. Sie heißt Mousegard, ist von David Peterson und wird seit einem Jahr auch auf Deutsch im Comic-Verlag Cross-Cult vertrieben. Tolle Zeichnungen, gefallen mir richtig gut.

Um nochmal auf Deutschland zurück zu kommen. Pirinccis Felidae würde ich nicht zu Animal-Fantasy zählen,  zumal Akif, unbescheiden wie er ist, ja von sich selbst behauptet, das Genre Tier-Krimi geschaffen zu haben.

Vor zwei drei Jahren wurde Kästners Buch Konferenz der Tiere von dem Hannover Trickfilm-Studio Ambient Entertainment verfilmt. Kästners Buch von 1949 zählt wohl zu den Klassikern der Tierfantasy, so wie Watership Down. Oder zählt man das eher zu den Fabeln?

5. Animal Fantasy und Kinderbücher mit Tieren – wo siehst du da die Unterschiede? Hast du schon mal erlebt, dass man Animal Fantasy mit Kinderbüchern verwechselt?animal-fantasy-5

Joachim Sohn: Gegenfrage: Was sind Urmel aus dem Eis, Fips der Affe, Winnie Puuh, Horten hört ein Huh oder Nils Holgersohn? Märchen?  Fabel? Kinderbuch? Vor 200 Jahren wären es Märchen gewesen, vor 100 vielleicht Fabeln, vor 50 Kinderbücher und heute würde man sie wahrscheinlich Animal-Fantasy zuordnen, um die junge Zielgruppe besser ansprechen zu können. Ein Jugendlicher heute denkt bei Animal-Fantasy wahrscheinlich eher an eine Supermangakatze als an Reinicke Fuchs. Ich hingegen würde bei Cosplays als Balu der Bär auftauchen.

Aber Du hast recht. Die eBook-Version wurde vom Verlag in die Kategorie Kinder- und Jugenbücher ab 10 Jahren eingeordnet obwohl die Geschichte ja ein anspruchsvolles, sozialkritisches Heldenepos ist! Ich nenne es immer eine Mischung aus Urzeitilias und Bernhard und Bianca. Ich konnte mich damit beim Verlag aber nicht durchsetzen. Bei meinem Hörbuchverlag läuft es einfach unter Abenteuer (mittlerweile ist es übrigens, wie einige andere Titel des Verlags, wegen interner rechtlicher Differenzen vom Markt genommen worden. Ich hoffe, das klärt sich bald).

Ein Kleinverleger aus dem Printbereich, dem ich das Manuskript vorgestellt hatte fragte mich wiederum, ob man nicht ein paar cartoonige Action-Szenen alla Tom und Jerry einbauen könnte. In der Tat wurde meine Heldensaga also auch verkannt. Und das liegt wohl tatsächlich daran, dass die meisten bei Tierfantasy an Kinderbücher denken. Also Aufklärung tut Not. Animal-Fantasy braucht dringend mehr Support und eine eine Lobby. Und natürlich weitere gute Geschichten und Autoren 😉

6. Für welche Leser ist dein Animal-Fantasy-Roman „Perm“ besonders geeignet? Was ist das Besondere deines Buches?animal-fantasy-6

Joachim Sohn: Gestern gab es wieder mal einen Artikel aus der Archäologie, in dem Stand, dass Steinwerkzeuge, spitz zugehauene Keile, gefunden wurden, die mindesten 1.75 Mio. Jahre alt sein sollen, also so alt wie der Homo errectus. Daraus schlussfolgern die Verfasser, dass die Hominiden schon weit früher in der Lage waren, mit Hilfe von Werkzeugen ihre Umwelt zu beherrschen als bislang angenommen. Mich fasziniert die Vorstellung, dass noch nicht alles erforscht ist und ich frage mich, was wir noch an Entdeckungen erwarten können. Vielleicht findet man tatsächlich noch mal Spuren einer Kultur aus einem längst vergangenem Zeitalter oder sogar Schriften eines längst vergangenen Wissens und die Geschichte der Evolution müsste umgeschrieben werden. In meiner Geschichte gibt es unterschiedliche Arten, die unterschiedlich weit entwickelt sind, aber in einer Symbiose gegenseitiger Abhängigkeit miteinander leben. Da sind zum einen die Tennuri, einfache Stämme, die teilweise noch von Futterstelle zu Futterstelle wandern und da sind die hochentwickelten Manoii, die feste Behausungen haben,  Ackerbau betreiben und eine Zeichen- und Symbolkultur entwickelt haben. Da verbindet sich geschichtlich die Begegnung mit den Germanen und den Römern, den Spaniern und den Ureinwohnern Amerikas oder der Neandertaler mit dem Cro Magnon in Europa vor etwa 36.000 Jahren. Bei all diesen Begegnungen gab es nachgewiesener Weise Situationen wie in PERM: Die Frau des ‚einfachen‘ Volkes verlässt ihre Sippe, um in der höher entwickelten Kultur bessere Chancen für sich und ihre Nachkommen zu haben. Aber wie geht man mit so einer Person um? ist sie eine Verräterin oder einfach nur schlau? Und welche Auswirkung hat das auf die Evolution?  Das waren die Fragen,  die mich beschäftigt haben.

Neben den Tennuri und den Manoii stelle ich aber auch noch eine dritte Art vor, den Kwen-Kwen-Baitler, der weitaus mehr wahrnehmen kann als wir uns weithin vorstellen können. Er sieht die Dinge ungefiltert und noch bevor sie sich für ihre letztliche Form entscheiden (sowas wie die gelebte Heisenbergsche Unschärferelation). Das macht sie superintelligent, aber auch ein Stück weit paranoid bzw. autistisch. Sie sind, um existieren zu können, abhängig von denjenigen, deren Wahrnehmung gefestigt ist. Die müssen sie bei der Hand nehmen und ihnen Orientierung geben.

Mein Zielpublikum liebt Tiere und soll interessiert sein an Sprache,  Wahrnehmung und Entwicklung. Das gilt für Groß und Klein. Aber natürlich kommt auch die Liebe, die Sehnsucht und das Abenteuer nicht zu kurz.

7. Haben deine Tier-Protagonisten spezielle Fähigkeiten? Wenn ja, welche?

Joachim Sohn: PERM bzw. die eBook-Adaption Keldris und Kandia ist ein Entwicklungsroman. Die Protagonisten sind keine Superhelden sondern Nager, die sich mit ihrer Umwelt auseinandersetzen müssen. Dabei entwickeln sie aber zunehmend Fähigkeiten, die sie stärker machen. So lernt Keldris seine Ängste zu überwinden, neugierig auf die Welt zu sein, seine Gefühle zu kontrollieren und sich mutig dem Feind in den Weg zu stellen. Kandia entwickelt eigene Schriftzeichen und sie lernt anderen kompromisslos zu helfen und ihre Vergangenheit anzunehmen.

Aber natürlich gibt es dann noch die beiden Kwen-Kwen-Baitler Bikku und Yakku. Diese besondere Spezies ist in der Lage, die Tiefenstruktur der Dinge zu erkennen. Sie treffen sich in Zeitfalten, schlüpfen durch Raumlöcher und sehen Veränderungen oder Stillstände im Zustand der Farben.

Um auf dem Boden der Tatsachen zu bleiben und die Fülle der Informationen verarbeiten zu können, schließen sie sich Dörfern oder Stämmen an und nutzen deren Leichtgläubigkeit, um ihnen Geschichten von ihren Geistern zu erzählen, von denen sie glauben, dass sie in die Natur eingreifen. So haben sie auch die Fähigkeit entwickelt, große Geschichtenerzähler zu sein. Die Baitler sind Einzelgänger, die von Zeit zu Zeit ihren ‚Wirts‘-Stamm besuchen, der ihnen den nötigen Halt gibt. Mit ihrem individuellen Ruf kündigen sie sich an, dann wird ihre Ankunft mit einem großen Fest gefeiert und sie werden rundum versorgt. Dafür müssen sie dann als Mittler der Geisterwelt ihre Botschaften hinterlassen und Fragen beantworten.

8. Welche besonderen Herausforderungen hat man als Autor beim Schreiben von Animal Fantasy? Und was war besonders schwierig beim Schreiben von „Perm – Eine Urzeit-Heldenreise“.animal-fantasy-7

Joachim Sohn: Da ich noch keine anderen Romane geschrieben habe, lag die Herausforderung nicht darin, mich von einem anderen Genre abzugrenzen und herauszuarbeiten, was Tiere als Protagonisten auszeichnet, sondern die Geschichte an sich niederzuschreiben. Dass es Nager wurden lag wie gesagt daran, dass ich als Kind Hamster hatte und ihnen eine coole Story schreiben und zeichnen wollte. Die erste Version von Keldris und Kandia enstand ja schon Anfang der 1980er. Damals hatte ich ein Comic namens Candy und Chris mit den beiden gezeichnet, mit einem Umfang von insgesamt 2700 Panels. Aber die Arbeit blieb unvollendet. Irgendwann hatte ich keine Zeit mehr dafür. Aber ich habe die Story nicht vergessen und sie mit der Zeit reifen lassen. Erst 2008 entschloss ich mich, sie aufzuschreiben und sie gleichzeitig in den Rahmen zu setzen, sie habe vor 250 Millionen Jahren stattgefunden, um ihr eine unheimliche Authentizität zu verleihen.

Der Grundplot ist geblieben,  aber die Geschichte hat sich während des Schreibens weiter entwickelt. Es sind so viele Ideen hinzugekommen und Figuren, die in der alten Version gar nicht existierten, so wie die Stämme Tennurs oder die Wälder Sahalms, dass ich schon genügend Stoff für weitere Teile beisammen habe. Aber diesmal werde ich ein paar Dinge anders machen. Ging es mir im ersten Teil eben vor allem darum, die Geschichte von damals einmal komplett aufzuschreiben, werde ich in den nächsten Teilen in der Tat stärker herausarbeiten, was das besondere an dem Zeitalter und an den Nagern ist.

9. Wie ist das Feedback deiner bisherigen Leser zum Roman? Welche Tendenzen gibt es da?

Joachim Sohn: Der Lob geht in die Richtung, dass es eine außergewöhnliche, fantastische Reise in eine unbekannte und spannende Welt ist. Kopfkino und sollte verfilmt werden höre ich öfter. Das wird durch die zahlreichen Illustrationen, die für die eBook-Version entstanden sind noch verstärkt. Die kritischen Töne sprechen eben den Punkt an, dass man nicht genügend merkt, dass man sich im Perm befindet und dass es sich bei den Protagonisten um Nager handelt. Auch kommen manche nicht mit Keldris Charakter klar. Er ist nicht der klassische Held. Er hat oft Schiss, ist langweilig, hat blöde Ideen, die nicht immer zum gewünschten Ziel führen und er schummelt sich manchmal so durch. Damit spreche ich nicht jeden an. Aber er hat schon eine Menge dazu gelernt und seine Reise ist noch nicht zu Ende. Und wie das bei seinen eigenen Kindern so ist, er mag manchen auf den Keks gehen, aber ich mag ihn.

10. Welche Tipps möchtest du anderen Autoren von Animal Fantasy mit auf den Weg geben?

Joachim Sohn: Authentisch sein. In jeglicher Hinsicht. Man muss sehen, dass der Autor hinter dem steht, was er schreibt, dass er etwas zu sagen hat und dass es einen Grund dafür gab, die Geschichte mit Tieren als Protagonisten zu schreiben. Es ist nicht so wichtig, welche Erzählperspektive oder -zeit man gewählt hat, solange man glaubhaft ist. Dazu ist auch die Recherche wichtig. Als Autor ist man auch immer ein Stück weit in der Position eines Lehrers. Nichts ist schlimmer, als in der Kritik zu hören, der Autor hat sich nicht genügend über das informiert, was er schreibt. Wenn ich ein Buch lese, will ich mit Wissen überrascht werden und etwas dazu lernen. Wenn ich zu viele Fehler entdecke, lege ich es zur Seite.

Eine wichtige Botschaft habe ich noch. Am Ende von Episode 4 heißt es in der eBook-Version, dass in diesem Buch weder Tiere gegessen, noch in irgendeiner Form verarbeitet oder als Nutztiere eingesetzt werden. Gut, da es sich um eine Fiktion handelt, ist natürlich beim Schreiben kein Tier zu Schäden gekommen. Aber das meine ich auch gar nicht. Sondern, dass es in der Literatur wie in der Gesellschaft immer noch zu normal ist, dass Tiere zum Nutzen der Menschen gehalten werden. In meiner Geschichte isst niemand Tiere, trägt niemand Fell und Reittiere zum Beispiel stehen in einem ordentlichen Dienstleistungsverhältnis und haben Anspruch auf Pension.

Alles andere wäre in meinen Augen Ausbeutung und Kannibalismus.

Gerade die Literatur sollte es sich zur Aufgabe machen, durch das Weglassen solcher ‚Selbstverständlichkeiten ein Umdenken in den Köpfen der Menschen anzuregen. Eben weil man als Autor diese komische Position eines Vorbildes oder Lehrers für den Leser hat, sollte man, wenn man Animal-Fantasy schreibt und einem etwas an Tieren, deren Rechten und deren Schutz liegt, diese Chance auch nutzen.

Animal Fantasy:
Keldris und Kandia #1

Danke für das Interview und noch viel Erfolg als Autor!

Das Interview führte Annira Falter, Autorin von „Astarian„.

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2 Antworten zu Interview mit dem Autor Joachim Sohn (Animal Fantasy)

  1. R. M. Beyer schreibt:

    Reblogged this on Die Belletristen und kommentierte:
    Hier ist ein interessantes Interview mit Joachim Sohn und einem Genre zu lesen, von dem ich noch nie etwas gehört habe, obwohl ich eigentlich dachte, mich einigermaßen im Fantasy-Genre auszukennen. Natürlich sind sprechende Tiere in der Fantasy nichts neues (in Chroniken von Narnia ist der sprechende Löwe Aslan sogar der König, ja beinahe gottgleich), aber in dieser Reinform wie bei „Perm – Eine Urzeit-Heldenreise“ sind Tiere als Protagonisten natürlich eher selten. Schönes Interview um den Blick zu weiten…

    • flyfictionfantasy schreibt:

      Hallo R.M Beyer,
      charakteristisch für Animal Fantasy sind Tiere als Protagonisten. Wie du erkannt hast, gibt es sprechende Tiere in Fantasybüchern öfter, nur als Protagonisten eher selten. Im Animal Fantasy Bereich hat mir übrigens gut „Warrior Cats“ gefallen – das ist allerdings auch wieder speziell (gerade die Namensgebung der Figuren :-)) und mehr Jugendbuch.

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