Interview mit Alina Tamasan

Reihe: Interviews mit Autoren

— heute zu Gast: Alina Tamasan, Autorin von „Gras-Engel und „Gniri-Noromadi“ (in Arbeit)

1. Hallo Alina, bitte stelle dich uns kurz vor. Was für eine Art von Fantasy schreibst du und wo stehst du in deiner Laufbahn als Autorin?

Hallo an alle Leser dieses Blogs. Ich heiße Alina, bin 32 Jahre alt und komme aus Rumänien. Ich lebe seit meinem 7. Lebensjahr in Deutschland. So ist dieses schöne Land zu meiner Heimat geworden.

Ich schreibe spirituelle Fantasy-Romane: spirituell, weil sie eine Botschaft tragen, die uns in der Entwicklung unserer Wahrnehmung ohne erhobenem Zeigefinger fördern soll – und Fantasy, weil ich es gerne meinen Lesern überlasse, ob sie die Wesenheiten aus meinen Büchern für real existierend halten oder nicht. Ich glaube an deren Existenz.

In meiner Laufbahn als Autorin sehe ich mich noch recht am Anfang. Mein erster Roman „Gras-Engel“ ist im Jahre 2010 erschienen. Er stellt die Frage nach dem Sinn des Lebens aus Engelsicht. Der zweite Roman, jener, den wir hier behandeln, ist im Februar 2012 fertig geworden – leider ist er noch nicht veröffentlicht. Mit dem Thema Naturwesen und Umwelt trifft die Thematik den Nerv der Zeit. Leider scheuen sich viele Verlage, neue Autoren zu verlegen, weil ihnen das Risiko, Verluste zu erleiden, zu groß erscheint!

2. Du schreibst einen Roman mit neuen Fantasywesen, die es noch in keiner Legende gibt: die Gniri und die Dhàrdhats. Was ist das Besondere an diesen Fantasywesen?

Gniri und Dhàrdhats sind Naturwesen – aber es sind keine Elfen und Feen! Die Literatur behandelt letztere sehr weiträumig. Ich zeige eine ganz neue Art von Naturwesen! Das Besondere an ihnen ist: Sie haben Hoffnungen, Sorgen und Nöte wie wir Menschen und leben inmitten einer grünen Welt, die immer kleiner wird, weil wir Menschen sie zerstören.

Spirituelle Literatur fördert vielfach das Bild von Naturwesen als höher schwingend und somit perfekt – ich schlage dem ein Schnippchen und sage: Nein, sie sind normal, wie du und ich. Damit möchte ich all jenen Menschen, die mit Naturwesen in Kontakt treten wollen, diese Ehrfurcht davor nehmen und sagen: Behandelt das Thema ganz normal.

Ob ihr nun an Naturwesen glaubt oder nicht … ich ziehe euch, durch die frische und muntere Art dieser Wesen mit Herausforderungen umzugehen, in meine Geschichte hinein! Sie fühlen wie wir, sie leiden wie wir, und das macht sie so sympathisch!

Eine weitere Besonderheit ist das Aussehen von Gniri und Dhàrdhats. Sie sehen ganz anders aus als das was man sich so unter Naturwesen vorstellt: ein wenig bizarr, aber bei näherer Betrachtung einfach nur zum Herzen!

3. In welche Story verwickelst du die Gniri und die Dhàrdhats? Um was geht es in deinem Roman „Gniri-Noromadi“?

Das Hauptthema ist der Bruch der Welten. Einst haben Naturwesen und Menschen in EINER Welt gelebt. Jeder konnte jeden sehen, und die Existenz der Naturwesen war für Menschen ganz normal. Aber dann überschütteten Kriege das Land, und die Welten brachen auseinander. Die Menschen haben vergessen, dass es Naturwesen gibt, breiteten sich über den ganzen Erdball aus und vernichteten die Lebensräume der Naturleute. Heute leben nur noch wenige: nämlich dort wo noch ein kleiner Flecken Grün ist – aber auch in den Kanalisationen der großen Städte. Dort drängen sich die Flüchtlinge und die Heimatlosen, die ihr Zuhause z. B. durch Abholzung verloren haben.

Einst hat ein Gelehrter prophezeit, dass eine Mischkreatur aus Naturwesen und Mensch kommen wird. Sie wird die Naturwesen mit den Menschen aussöhnen und die Menschen wieder an die Existenz der Naturvölker erinnern. Aber nicht nur das – auch die (Ur-)Ahnen werden wieder in unser aller Leben treten: Wesen, welche die Menschen als Engel bezeichnen.

Blöd ist nur, dass diese Geschichte ausgerechnet an Noromadi heran getragen wird…und zwar durch eine Lichterscheinung im Wald. Die hellsichtige Noromadi zweifelt an ihrem Verstand und landet in der Psychiatrie. Nach einigem Hadern mit sich selbst, beschließt sie ihre Aufgabe anzunehmen. Dabei erkennt sie, dass der Forst vor der Haustür ihres kleinen Dorfes auf wundersame Weise bewohnt ist: nämlich von dem Gniri-Volk am Eichenhain. Dort lernt sie den Dhàrdhats Iefîs kennen. Wie viele andere Naturwesen ist er von der geheimnisvollen schwarzen Krankheit befallen, die nur geheilt werden kann, wenn die Welten sich wieder verbinden … Ein geheimnisvolles Band eint Noromadi mit diesem Mann … Zusammen mit ihm, der ortsansässigen Druidin und den Gniri gehen sie die große Herausforderung an: Die Menschen an die Existenz der Naturwesen zu erinnern, und das zu einen, was einst zerbrochen ward!

4. Woher hattest du die Ideen für diese Fantasywesen? Was hat dich inspiriert und warum hast du dich entschlossen, neue Fantasywesen statt die bekannten zu nehmen?

Viele Menschen fragen mich: Alina, wie kannst du dir so was nur ausdenken? Da schmunzle ich meistens. Sicherlich sind die Charaktere ausgedacht, ebenso der Plot. Aber sie beruhen auf der Tatsache, dass es Gniri und Dhàrdhats in meiner Wahrnehmung wirklich gibt!

Inspiriert wurde ich durch ein ortsansässiges Gniri-Volk, das hier in unserem Forst vor der Haustür lebt. Das Oberhaupt ist eine ältere weise Frau, und sie lebt in einem Eichenhain. Die Orte, die Noromadi während ihrer Abenteuer besucht, sind vielfach tatsächlich vorhanden ;).

Ich arbeitete mich in ihre Lebensweise, ihre Kultur und ihr Gedankengut ein und fand das urspannend. Da entschloss ich mich daraus einen Roman zu machen, denn ich wollte auch andere Menschen an dieser wundervollen Welt teilhaben lassen. Aber ein trockenes Sachbuch kam für mich nicht in Frage. Ich wollte meine Leser mitreißen und hineinziehen!

Anders als bei Elfen und Feen wissen die Menschen nichts über die Existenz dieser Naturwesen, und das fand ich schade, denn auch sie haben ihren Platz in dieser Welt. Also beschloss ich, eine Art Vorreiterrolle einzunehmen und den Menschen darüber zu berichten.

5. Was war dir besonders wichtig beim Schreiben von „Gniri-Noromadi“?

Authentizität. Ich hatte und habe auch bei meinem entstehenden Naturwesenroman den Anspruch, das Leben und die Mentalität dieser Leute so authentisch wie möglich darzustellen – auch wenn es im Ganzen nur eine Geschichte ist.

6. Wie schwierig findest du es, neue Fantasywesen an die Leser heranzubringen? Wo liegen deiner Meinung nach die besonderen Herausforderungen bei Fantasybüchern mit neuen Wesen?

Die bekannten Fantasywesen sind häufig nach bestimmten Schemata geformt. So haben Elben feine Züge, und die bösen Orks haben Reißzähne und Krallen. Der Mensch weiß: Kralle = böse, grazile Züge = gut. Die großen Trolle sind häufig sehr behaart und im Stereotyp nach dumm, also assoziiert der Leser: sehr behaart = dumm.

Diese Assoziationsreihe passt aber nicht mehr bei meinen Wesenheiten. Bizarr aussehende Figuren Menschen nahezubringen, ohne gewisse unerwünschte Assoziationen heraufzubeschwören, ist nicht einfach. Hat ein Gniri Krallen, assoziiert der Mensch mit diesen sogleich Raubtier. Ist er behaart, kann der Leser damit tierisch und minder intelligent assoziieren.

Das ist ein Automatismus – wie Atmen. Diesen Automatismus aufzulösen bedarf Feinarbeit, so z. B. die Erklärung warum ein Gniri Krallen braucht – eben zum Klettern auf die Bäume, weil sie gerne dort leben! So kann ein Gniri Krallen haben und trotzdem sehr gutherzig und freundlich sein. Auch ist er behaart, damit er den Witterungsverhältnissen widerstehen kann, was nicht heißt, dass er dumm ist.

Es ist also nicht einfach, Menschen fremde Fantasy-Wesen nahe zu bringen, aber eben auch nicht unmöglich. Mit etwas Feingefühl geht das.

7. Warum sollten wir die Geschichte der Gniri unbedingt lesen? Wen möchtest du mit deinem Fantasybuch besonders ansprechen?

Ihr solltet die Geschichte der Gniri unbedingt lesen, damit sie eure Herzen erfreuen! Sie sind witzig, zuweilen traurig und sehr neugierig, was uns Menschen anbelangt, und es freut sie sehr, wenn auch wir Menschen neugierig auf sie sind 😉 Ich möchte, dass ihr ihre Geschichte lest, damit ihr den stinknormalen Forst um die Ecke, den Park, ja den Ahorn auf der Allee mit neuen Augen seht. Ich beobachte oft, wie die Menschen durch die Natur joggen, mit Kopfhörern und dem Blick starr auf den Boden gerichtet. Wenn ich am Wegesrand an einem Baum lehne, bemerken sie mich nicht. Das ist schade! Die Natur mit all ihren Wesen ist es wert, näher betrachtet zu werden, denn sie ist unser aller Lebensraum.

Mit meinem Roman möchte ich so viele Menschen wie möglich ansprechen! Für Kinder ist es etwas zu komplex, aber Erwachsene jeden Alters sind als Leser höchst willkommen!

Danke für das Interview und noch viel Erfolg als Autorin!

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