Interview mit dem Fabylon Verlag zum Phantastik-Programm

Reihe: Interviews mit Verlagen für Fantasy und Phantastik Schöne Bücher für mehr Freude am Lesen, vom Verlag mit dem Faible fürs Fabelhafte

— heute im Gespräch: der Fabylon Verlag

Das Interview wurde geführt mit Uschi Zietsch-Jambor (Verlegerin)

1. Stellen Sie Ihren Verlag doch kurz vor. Was charakterisiert das Phantastik-Programm Ihres Verlags?

Unseren Verlag Fabylon gibt es bereits seit 1987. Wir haben mit einem kleinen Programm gestartet, hatten dann Mitte der 90er eine kleine Pause, und in den vergangenen Jahren haben wir unser Programm ordentlich durch inzwischen 5 Reihen aufgestockt. Es gibt also nicht nur eher klassische Fantasy und Science Fiction, sondern weitere Genres wie Romantasy, Steam Punk, humorvolle Phantastik, Erotisches und nicht zu vergessen Sherlock Holmes zum 125. Jubiläumsjahr, der durchaus phantastische Fälle zu lösen hat.  Wir haben also für jeden Leser etwas dabei, in jedem Alter, von Newcomern bis Bestsellerautoren.

2. Welche Phantastik-Bücher aus Ihrem Programm bezeichnen Sie als besonders erfolgreich und warum?

Am besten derzeit läuft unsere Anthologie „Sherlock Holmes und das Druidengrab“, was sicherlich mit dem Jubiläumsjahr zusammenhängt, aber auch damit, dass hier wirklich ganz ausgezeichnete Geschichten versammelt sind, ganz im Stile Doyles, und doch modern. Überraschend ist das insofern, als Anthologien eigentlich belletristische Stiefkinder in Deutschland sind. Wir freuen uns natürlich sehr darüber. Noch eine erfolgreiche Anthologie, die ebenfalls den hervorragenden Geschichten „geschuldet“ ist, ist die „SteamPunk 1: Erinnerungen an Morgen“. Auch Tanya Carpenters „Mit Schuh, Charme und Biss“ trifft den Nerv vor allem der Leserinnen, denn die Geschichte ist eine Mixtur aus Urban Fantasy, zeitgenössischem Humor und satirischem Krimi. (Und nicht zu vergessen die schönen Schuhe, die darin vorkommen.) Im Bereich der eBooks (hier erscheint die Printausgabe erst nächstes Jahr) läuft derzeit mein eigenes Buch, „Die Chroniken von Waldsee“, hervorragend. Es handelt sich um klassische, epische Fantasy, ein Ritterroman mit jeder Menge fremder Völker und Magie. Das gibt es zum sehr günstigen Preis für 1300 Seiten – da können wohl viele nicht widerstehen.

3. Gibt es Phantastik-Bücher von Ihrem Verlag, die weniger bekannt sind, die Sie aber an dieser Stelle besonders erwähnen möchten („Geheimtipps“)?

Ein Geheimtipp für jemanden, der ungewöhnliche und literarisch anspruchsvolle Fantasy lesen will, ist in jedem Fall „Der Engelseher“ von Laura Flöter. Bemerkenswert im Bereich der Science Fiction, die hier bei der Social Fiction, Dystopie und Utopie anzusiedeln ist, ist die Storysammlung „Wie das Universum und ich Freunde wurden“ von Thomas Wawerka. Geschichten, die tiefgehen und berühren – allzu menschlich und sehr nachvollziehbar, auch mit hintergründigem Humor und Zwischentönen angereichert. Andreas Eschbach hat dazu ein Vorwort geschrieben, was uns besonders ehrt, weil er das normalerweise nicht macht.

4. Phantastik-Bücher mit welchen Inhalten würden Sie noch gerne verlegen? In welche Richtung möchten Sie Ihr Phantastik-Programm einmal ausweiten? Zu welchen Themen wünschen Sie mehr Manuskripte?

Oh, momentan haben wir alles „abgegrast“, was möglich ist und eine so große Bandbreite erreicht, dass an eine Erweiterung derzeit nicht zu denken ist. Unser kleines Programm ist für die nächsten zwei Jahre (mindestens) absolut ausgelastet. Wir müssen sogar schon ein bisschen verschieben, weil wir mit der Arbeit nicht mehr hinterherkommen.

5. Was ist Ihnen bei Phantastik-Büchern besonders wichtig? Wie sollen diese Manuskripte sein, die Autoren bei Ihnen einreichen (Inhalt, Stil, Erzählweise)?

Was für jedes Buch wichtig ist: Es muss gut erzählt sein, und es sollte sich etwas Originelles im Erzählfaden finden, wodurch sich die Geschichte von anderen abgrenzt. Unerwartete Wendungen schaffen Spannung und dadurch Pageturner, Stimmung und Atmosphäre sowie gute Charakterisierungen runden das Bild ab. Wichtig für mich ist in jedem Fall und zuallererst die Optik, nämlich dass die Manuskript-DIN-Norm eingehalten wird. Aufwendige Gestaltung stört nur und ist irrelevant. Kinder- und Jugendbücher verlegen wir grundsätzlich nicht, auch keine Geschichten zu Games oder Fantasyvölkern. Und mit allem anderen muss der Autor/die Autorin uns eben überzeugen. Aber wie gesagt – derzeit können wir durch die Auslastung leider keine Manuskripte prüfen.

6. Der Vampirtrend hält die Fantasywelt noch immer in Atem. Glauben Sie, die Welt der Phantastik braucht bald neue Fantasywesen? Wenn ja, welche wären Ihre Favoriten?

So wie ich das sehe, gibt es momentan alles an bekannten Wesen, bis zu den Gargoyles wurde alles ausgeschöpft. Nebenbei – Sparkling Vampires sind einfach nur schrecklich. Ich persönlich habe schon immer Eigenkreationen bevorzugt (was meinem Faible für die Science Fiction geschuldet ist); klassische Völker verwende ich eher bei Urban Fantasy. Persönliche Favoriten habe ich nicht bei den bekannten Wesen, die haben alle etwas. Na gut, Drachen, die mag ich besonders, wobei sie nur äußerst sparsam eingesetzt werden sollten. Und Zwerge. Die haben einiges für sich.

7. Wie wird das Phantastik-Genre im Jahr 2050 sein? Bitte lassen Sie Ihrer Fantasie kurz freien Lauf!

Leider werde ich das wohl nicht mehr erleben, denn es stehen interessante Zeiten für den Literaturmarkt bevor. Ich denke, dass sich das Lesen an sich bis dahin völlig verändert haben wird und tippe vor allem im phantastischen Bereich auf interaktive Erzählungen, in die der Leser eingebunden ist, womöglich sogar im Rahmen einer 3D-Umgebung. Fantasy und Science Fiction sowie die anderen Genrebereiche als Unterscheidung wird es nicht mehr geben, sondern alles miteinander vermischt sein, und ich nehme auch an, dass sich die Games mit dazu vermengen werden. Die Fragen, was mich interessieren, sind: Findet dieser Prozess allein statt, oder vernetzt wie bei den MMORPG? Erhält der Leser das fertige Buch, oder entsteht es erst im Austausch, ist also auch der Autor aktiv mit eingebunden? Es wird in jedem Fall spannend.

Danke für das Interview und noch viel Erfolg mit Ihrem Phantastik-Programm!

Ich habe zu danken! (die Verlegerin)

Website vom Fabylon Verlag

Das Interview führte Annira Falter, Autorin von „Astarian„.

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Eine Antwort zu Interview mit dem Fabylon Verlag zum Phantastik-Programm

  1. Pingback: Uschis Blog » Interview mit Fabylon

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