Interview mit Veronika Aretz – Bücher mit Mangas verbinden

Reihe: Interview mit Autoren

— heute zu Gast: Veronika Aretz, Autorin von „Die verflixten Bücher“

Hier findet ihr ein Interview mit Veronika Aretz, die Bücher und Mangas miteinander verbindet und auch Manga-Zeichenkurse gibt!

1. Hallo Veronika, in deiner Buchreihe „Die verflixten Bücher“ verbindest du Jugendromane mit Manga-Elementen. Das ist ziemlich ungewöhnlich. Wie kam es zu dieser Idee?
Ganz einfach: Die wenigsten Cover der Kinder- und Jugendbücher haben mir so richtig gefallen. Mir schien, als haben die Verleger mehr Wert darauf gelegt, was ihnen gefällt und nicht, was den Kindern und Jugendlichen. Als diese Reihe entstand, waren nicht nur bei meinen drei Kindern Yu-Gi-Oh, Sailor-Moon und noch einige andere Mangafilme aktuell, sondern bei fast allen in den Klassen. Da lag es für mich nahe, eine Darstellung zu finden, die den Wünschen dieser Altersgruppe nahe kommt.

2. Wie viel Manga steckt in „Die verflixten Bücher“ drin?
Wenn jemand eines der Bücher kauft, weil er Manga lesen will, liegt er bei den „Verflixten-Büchern“ falsch. Die Geschichte steht im Vordergrund, wird lediglich durch lustige Kommentare aufgelockert. Im 1. Band sind diese dann auch mit Manga-Zeichnungen versehen, um die Mimik zum Text zu verdeutlichen. In Band 2 sind einzelne Textstellen noch zusätzlich als Comic zu umgewandelt, in Nr. 3 lockern einzelne Szenen den Text auf, und im letzten Band ist fast über jedes Kapitel eine Handlung dargestellt.

3. Worum geht es in den Jugendbüchern? Erzähle uns doch kurz die Story.
Die 12-jährige Nadine bekommt den Friedenskristall der Sieben-Welten von ihren Eltern in die Hand gedrückt mit der Aufgabe, sich zu verstecken, da es Krieg geben soll. Was völlig unlogisch scheint, denn immerhin hat dieser Kristall 2000 Jahre lang in dieser hoch entwickelten Gesellschaft für Frieden gesorgt. Nadine fühlt sich abgeschoben, besonders als sie bei uns auf der Erde landet. Alles ist so anders, sie muss die Sprache lernen und sich erst einmal anpassen.

Band 1 beginnt 37 Jahre später in einem Gymnasium in Deutschland. Denn Nadine wurde zum Hüter des Kristalls und altert nicht. Das hat zur Folge, dass sie alle 2 Jahre den Ort wechseln und immer wieder die Schulbank drücken muss. Freunde darf sie auch keine haben, denn zu schnell könnte ihr Geheimnis entdeckt werden. Außerdem schmerzt jeder Abschied nach diesen 2 Jahren.

Doch auf der neuen Schule geht diesmal alles schief – sie baut eine Schülerpolizei auf und beschließt, den Kristall einzusetzen, um ihren Eltern zu zeigen, wo sie sich befindet. Stattdessen aber tauchen die ärgsten Feinde der Sieben-Welten-Regierung auf und jagt sie durch die gesamte Stadt. Schließlich muss sie sich dem Anführer, einen Roboter-Wolfs-Jungen, stellen.

Während Band 1 und 3 auf der Erde spielt, versucht Nadine in Band 2 auf ihren Welten den Krieg zu verhindern. Mit Rido, dem Roboter-Wolfs-Jungen, flieht sie aus dem Tal der Schwarzen Seite und macht sich auf den Weg durch zerstörte Städte zu ihren Eltern – denn die sollen schuld an dem Unglück der Menschen sein. Und tatsächlich, die Regierung verschanzt sich im „Silbernen Backenzahn“, während das Volk nichts besitzt und Hunger leidet.

Erst im letzten Band erfährt Nadine den Grund. Schließlich kämpft sie einen aussichtslosen Kampf gegen die Sieben-Weltler, denn sie erkennt, dass ihr Handeln das ganze Unglück erst ausgelöst hat.

Das Thema Krieg steht hier gar nicht so sehr im Vordergrund, denn es geht hier nicht um Kämpfe und Gerangel. Nur eine Person stirbt und wird schließlich wiedererweckt. Die Geschichte ist mit leisem Humor bespickt, Nadine trampelt von einem Missgeschick ins nächste, was auch wieder Folgen mit sich bringt, und sie verhält sich eben wie eine 12-Jährige, nämlich patzig und uneinsichtig. Dann verliebt sie sich auch noch, doch der Beziehung steht so einiges im Weg …

4. In deinem Jugendroman gibt es das Fantasyreich der „Sieben Welten“. Was ist das Besondere an dieser Fantasywelt bzw. an diesen Welten?
Diese Welten sind hoch entwickelt, da die Menschen durch den Kristall in einem dauerhaften Frieden leben. Es gibt keine Kranken, keine Armut und kein Reichtum. Jeder kann arbeiten, so viel er will, alles wird im Computer erfasst und entsprechend belohnt. Wenn jemand also faul ist, bekommt er auch nur das einfachste Essen und eine einfache Unterkunft.

Nadines Heimatplanet ist die Zentrale der Wissenschaften und der Regierung – er ist vollständig von einer Materie umhüllt, mit der auch die Häuser computergesteuert erstellt werden. Dort gibt es keine Vegetation, nicht einmal die kleinste Spinne. Draußen, aber auch in den kilometerhohen Gebäuden, gibt es Fortbewegungsmittel, von denen wie auf der Erde nur träumen können. Die Welten waren perfekt organisiert – bis ihnen jemand den Friedenskristall weggenommen hat.

Wichtig in dieser Geschichte sind auch noch vereinzelt Menschen, die sich dem Einfluss des Kristalls entziehen konnten. Sie sind aggressiv und gewalttätig, haben sich schließlich zu einer Gruppe zusammengefunden und nennen sich die „Schleichende Python“. Das sind auch die Leute, die Nadine von der Erde holen. Aber manchmal ahnt man, dass die Bösen gute Gründe für ihr Handeln haben und man sie erst erkennt, wenn man die ganze Wahrheit erfährt.

5. Du bietest auch Manga-Zeichenkurse an. Warum wäre es gut, wenn Kunstlehrer das Thema Manga in der Schule mehr behandeln würden?

Wenn Schülern etwas interessiert, dann machen sie es gerne! Das habe ich deutlich gespürt, denn ich bekam in den Zeichenkursen immer die volle Aufmerksamkeit. In einer PowerPoint-Präsentation konnte ich Schritt für Schritt die Dinge zeigen, die beim Zeichnen wichtig sind. Ich habe die Kurse so entwickelt, dass auch ein Lehrer alles problemlos übermitteln könnte.

Dabei hat mir meine damals 15-jährige Tochter Sandra das Manga-Zeichnen beigebracht. Sie hatte mich mit ihrem Können überrascht und die Titelbilder sowie viel Vorskizzen für den Innenteil erstellt. Sie hat mir erklärt, worauf es ankommt, und so fing ich an, selbst zu zeichnen. Ich entwickelte den Manga-Zeichenkurs, den ich nach den Lesungen in Schulen eingesetzt habe.

6. Mangas und Comics – wo liegen hier beim Zeichnen die Unterschiede? Worauf muss man bei Mangas besonders achten?

Comics sind schwarz-weiß angelegt und Schattierungen werden mit Rasterfolien dargestellt. Die Umsetzung einer Textstelle in ein Comic geschieht nicht 1 zu 1. Im Comic wird kaum geredet, fast nur Gefühle gezeigt. Dazu gibt es auch ein paar spezielle Zeichen, die man einsetzt. Die Gesichtsmimik spielt eine große Rolle. Scheinbar schwanken die „Helden“ von einem Extrem ins nächste, mal sind sie wahnsinnig verliebt, dann stocksauer oder tieftraurig. Die Personen müssen dynamisch dargestellt werden, aus ungewöhnlichen Perspektiven, damit die Szene interessant ist. So schaut man auf einen Held oder man blickt ihn von unten an – in beiden Darstellungen werden ganz unterschiedliche Eindrücke vermittelt.

Für mich war das Comiczeichen sehr anstrengend, und so sind leider auch nicht viele Textstellen umgewandelt worden, wie ich es gern gehabt hätte. Auch war die Seitenzahl begrenzt. Die meisten Comics hat auch hier meine Tochter vorskizziert, und ich habe sie in Tusche umgesetzt.

7. Wie viel Talent braucht man zum Manga-Zeichnen? Oder ist das ein Handwerk, das mit der richtigen Anleitung fast jeder lernen kann?

Tatsächlich glaube ich, dass es jeder erlernen kann. Je mehr Interesse jemand mitbringt, je mehr er sich selbst zutraut und auch experimentiert, desto einfacher wird es für ihn. In jeder Klasse, die ich besucht habe, waren immer zwei bis drei Schüler, die noch vor dem Zeichnen herumgejammert haben, sie könnten es nicht. Letztendlich haben sie dann aber doch eine gute Zeichnung aufs Papier gebracht.
Ich wünschte mir, dass viel mehr Kinder Manga zeichnen wollten, denn ich glaube, es würde ihnen mehr Mut geben, wenn sie es einfach mal versucht haben. Die meisten fangen erst gar nicht damit an weil sie es sich nicht zutrauen. Das ist schade, denn in vielen steckt mehr Potential, als erkennbar ist.

Danke für das Interview und noch viel Erfolg als Autorin!

Website von Veronika Aretz

BUCHTRAILER zu den Werken von Veronika Aretz

BUCHTRAILER 2 (noch schöner!)

Das Interview führte Annira Falter, Autorin von „Astarian„.

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