Interview mit dem Aeternica-Verlag zum Phantastik-Programm

Reihe: Interviews mit Verlagen für Fantasy und Phantastik

— heute im Gespräch: der Aeternica-Verlag

Das Interview wurde geführt mit Michael Till-Lambrecht (Verleger)

 

1. Stellen Sie Ihren Verlag doch kurz vor. Was charakterisiert das Phantastik-Programm Ihres Verlags?

Der Aeternica-Verlag ist mit dem Ansatz gegründet worden, ein möglichst faires, ausgeglichenes Verhältnis zwischen Autoren, Verlag und Lesern herzustellen. Mit dem endgültigen Durchbruch des eBooks im letzten Jahr sahen wir gerade in diesem Medium besonders viel Potential, um diese Ziele realisieren zu können. So kam es zur Verlagsgründung Anfang 2012.

Das Programm konzentriert sich speziell auf Unterhaltungsliteratur aus dem allgemeinen Genre der Phantastik – also von klassischer Fantasy, über Mystery, Steampunk, bis hin zur Science-Fiction. Das Programm soll öglichst alle Bereiche der Phantastik abdecken, auch wenn in der Anfangsphase natürlich nicht sofort in allen Bereichen veröffentlichte Titel existieren. Die Entwicklung eines größeren Programms braucht ja bekanntermaßen immer eine gewisse Zeit. Der einzige Bereich, den wir jedoch grundsätzlich ausklammern, ist Horror.

Denn uns ist es wichtig, Titel zu veröffentlichen, die eine positive Stimmung und/oder Aussage haben. Das heißt aber nicht zwangsläufig nur »Heile Welt« und/oder »Happy End«. Vielmehr ist uns wichtig, dass die Leser den Roman mit einem »guten Gefühl« beenden. Romane, die also bspw. davon handeln, wie hoffnungslos alles ist, wie schlecht der Mensch oder die Welt im Allgemeinen ist, oder die sich vor allem auf unangenehme, leidvolle Aspekte konzentrieren, wollen wir nicht verlegen. Und gewaltverherrlichende Inhalte auch nicht. Uns geht es vor allem um konstruktive, aufbauende Geschichten, welche die Phantasie und Vorstellungskraft fördern. Konflikte: ja (ohne die gäbe es schließlich gar keine interessanten Geschichten), aber nichts Destruktives oder Deprimierendes.

2. Welche Phantastik-Bücher aus Ihrem Programm bezeichnen Sie als besonders erfolgreich und warum?

Bei einem noch kleinen Anfangsprogramm ist diese Frage natürlich besonders schwer zu beantworten. Denn es muss sich ja erst noch zeigen, wie gut einzelne Titel oder Reihen bei den Lesern tatsächlich ankommen. Auch so etwas benötigt eine gewisse Zeit, bis Verlag und Programm etwas bekannter sind. Aber trotzdem sind schon erste Tendenzen zu erkennen. Ganz besonders gilt das für den humorvollen Fantasy-Roman »Handbuch für Drachentöter« von Manuel Timm. Dieser Roman kommt bereits sehr gut an, worüber wir uns natürlich riesig freuen.

3. Gibt es Phantastik-Bücher von Ihrem Verlag, die weniger bekannt sind, die Sie aber an dieser Stelle besonders erwähnen möchten („Geheimtipps“)?

Es gibt in der Tat zwei Kurzgeschichten-Reihen, die etwas Besonderes sind. Zum Einen die Fantasy-Reihe namens »Diebesgeflüster«, in der jeweils vier relativ lange Kurzgeschichten in einem Band zusammengefasst sind, welche sich schwerpunktmäßig mit Dieben, Gaunern und anderen Schattengestalten beschäftigt. Mit diesem Konzept scheinen wir einen Nerv getroffen zu haben, denn sowohl Menge als auch Qualität der Manuskripteinsendungen zu diesem Thema sind bisher sehr beeindruckend. So fiel es uns nicht besonders schwer, einen sehr interessanten ersten Band Diebesgeflüster zusammenzustellen – und mit der Umsetzung des zweiten sind wir auch schon beschäftigt. Das andere Projekt ist eine Science-Fiction-Kurzgeschichtenreihe namens »Weltenwunder«. In ihr dreht sich alles um ferne phantastische Welten, Lebensformen, Naturschauspiele, fremdartige technische Bauwerke und rätselhafte Überreste längst ausgestorbener Zivilisationen. Dabei ist jede Folge eine in sich abgeschlossene, neue Geschichte. Die ersten drei Folgen werden gerade umgesetzt und vermutlich ab der ersten oder zweiten Novemberwoche erhältlich sein.

4. Phantastik-Bücher mit welchen Inhalten würden Sie noch gerne verlegen? In welche Richtung möchten Sie Ihr Phantastik-Programm einmal ausweiten? Zu welchen Themen wünschen Sie mehr Manuskripte?

Wie anfangs gesagt: Wir versuchen, nach und nach ein Programm aufzubauen, welches alle typisch phantastischen Genre  umfasst. Und da fehlen natürlich zum aktuellen Zeitpunkt noch einige Bereiche. Klassische Fantasy ist zwar immer willkommen, aber über Manuskripte aus den Bereichen Science-Fiction, Steampunk und Mystery würden wir uns momentan besonders freuen.

5. Was ist Ihnen bei Phantastik-Büchern besonders wichtig? Wie sollen diese Manuskripte sein, die Autoren bei Ihnen einreichen (Inhalt, Stil, Erzählweise)?

Es gibt keinen bestimmten Stil, den wir bevorzugen, auch keine bestimmte Erzählweise. Das Wichtigste ist für uns eine interessante, originelle Geschichte, die dramaturgisch gut aufgebaut ist. Sie sollte einen klaren, eindeutigen Spannungsbogen besitzen und sich nicht nur rein auf die äußere Handlungsebene beschränken. Natürlich ist ein guter Schreibstil extrem hilfreich, um eine Geschichte gut erzählen zu können, doch das allein garantiert keine gute Geschichte. Es gibt bspw. Autoren, die sehr einfach schreiben, aber dennoch sehr beeindruckende, faszinierende oder spannende Geschichten entwickeln. Und es gibt Sprachkünstler, deren Sätze allesamt wahre Kunstwerke darstellen, aber deren Geschichten einfach nicht lesbar oder nur langweilig sind. Daher würden wir uns – wenn wir zwischen einer einfachen, aber spannenden Geschichte einerseits, und einer stilistisch anspruchsvollen, aber langweiligen Geschichte andererseits wählen müssten – immer für Erstere entscheiden. Wobei das allerdings kein Aufruf zur Einsendung stilistisch möglichst einfacher Manuskripte sein soll, sondern vor allem ein Aufruf zur Einsendung dramaturgisch gut gemachter Geschichten.

6. Der Vampirtrend hält die Fantasywelt noch immer in Atem. Glauben Sie, die Welt der Phantastik braucht bald neue Fantasywesen? Wenn ja, welche wären Ihre Favoriten?

Ehrlich gesagt, glaube ich nicht, dass der Auslöser für die Entstehung eines Trends in den jeweiligen Fantasywesen, die dabei jeweils im Mittelpunkt stehen, zu finden ist. Meiner Meinung nach sind es vielmehr die Autoren und ihre Geschichten, die einen Trend auslösen können – gerade weil sie etwas schreiben, das sich etwas außerhalb der vorher aktuell gewesenen Trends bewegt. Erst die besondere Kombination aus Autor, Geschichte und Umsetzung ist es, die zum Entstehen eines neuen Trends führen kann. Meist ausgerechnet dann, wenn sich alle anderen vor allem besonders intensiv mit einem bestehenden Trend beschäftigen. Dann taucht –  plötzlich und von allen unerwartet –  etwas ganz Anderes auf. Und schon ist ein neuer Trend da.

Die Fantasyfiguren selbst funktionieren meist nur besonders gut, wenn sie in ähnlicher Weise eingesetzt werden, wie in der (oder den) trendauslösende(n) Geschichten.

Deshalb wäre meine Frage nicht, ob es neue Fantasywesen braucht, sondern ob es neue Geschichten braucht. Wer schreibt etwas ganz Neues (egal ob mit alten oder neuen Fantasywesen)?

7. Wie wird das Phantastik-Genre im Jahr 2050 sein? Bitte lassen Sie Ihrer Fantasie kurz freien Lauf!

Oha! Die Frage hat es aber in sich. Und hervorragend geeignet dazu, sich herrlich zu blamieren. (Man schaue sich mal nur die Zukunftsphantasien aus dem 19. oder dem frühen 20. Jahrhundert an, wie die Menschen meinten, wie die Welt im Jahr 2000 aussähen müsste.)

Tatsächlich wäre ich schon froh, wenn ich wüsste, wie das Phantastik-Genre im nächsten Jahr aussehen wird. Weil dann könnte ich schon jetzt die absolut sicheren Bestseller fürs nächste Jahr vorbereiten. Leider fehlt es mir jedoch an den entsprechenden prophetischen Fähigkeiten.

Ich vermute, dass sich zwar die äußeren Elemente phantastischer Geschichten deutlich verändert haben werden – also hinsichtlich der Fantasywesen, technischen Aspekten, den Lebenswelten sowie wirtschaftlichen und sozialen Lebensbedingungen. Aber inhaltlich wird sich vermutlich nicht viel geändert haben. Es wird im Kern immer noch um die gleichen Themen gehen. Im Grunde geht es schon immer in der gesamten Menschheitsgeschichte um dieselben Themen und Fragen – von den am Lagerfeuer in einer Höhle erzählten Geschichten bis hin zum 3D-Kinofilm. Und jeder Autor, der es schafft, sich in seinen Geschichten auf originelle Weise mit diesen universellen Themen und Fragen zu beschäftigen, wird immer Leser finden, die seine Werke verschlingen werden.

Das Einzige, was sich wirklich unaufhörlich ändert, ist nur das »äußere Gewand«.

Danke für das Interview und noch viel Erfolg mit Ihrem Phantastik-Programm!

Website vom Aeternica-Verlag

Das Interview führte Annira Falter, Autorin von „Astarian„.

 

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Interviews Fantasy-Verlage abgelegt und mit , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s