Interview mit dem Sieben Verlag zum Phantastik-Programm

Reihe: Interviews mit Verlagen für Fantasy und PhantastikSieben Verlag

— heute im Gespräch: der Sieben Verlag

Das Interview wurde geführt mit Martina Campbell.

1. Stellen Sie Ihren Verlag doch kurz vor. Was charakterisiert das Phantastik-Programm Ihres Verlags?

Der Sieben Verlag wurde 2006 gegründet. Seither hat sich unser Profil immer mehr geschärft. Heute erscheinen im Sieben Verlag hauptsächlich Bücher für Fans der romantischen Fantasy in all ihren Facetten (Romantic Thrill, Urban Fantasy, Erotic Fantasy) wobei in unserem handverlesenen, allgemeinen Programm die Phantastik ebenfalls von Anfang an eine wichtige Rolle spielte.

Wir sind ein unabhängiger Verlag, der im Fantasybereich hochwertige Liebesromane verlegt, ausschließlich von deutschsprachigen AutorInnen verfasst, die sich mit amerikanischen Vorbildern in diesem Genre messen können. Darüber hinaus wird uns ein Gespür für gute Geschichten und neue Talente nachgesagt, durften wir doch schon viele großartige Autorinnen und Autoren verlegen, die mittlerweile auch in Großverlagsprogrammen zu finden sind.

Wir haben neben unserem Roman-Bereich eine Sachbuch-Ecke, in der wir auch Nischenthemen eine Chance geben, seien es Schreibratgeber (ob für Film/TV-Drehbücher oder Romane), Lebens- oder Ernährungsratgeber u. a.

2. Welche Phantastik-Bücher aus Ihrem Programm bezeichnen Sie als besonders erfolgreich und warum?

Unsere romantischen Titel sind die  erfolgreichsten, daher haben wir uns im Laufe der Jahre auch immer mehr auf diese konzentriert. Warum etwas mehr und etwas weniger erfolgreich in einem Verlag läuft ist nicht immer einfach zu beantworten, und trieb schon so manchen Lektor in die Verzweiflung 🙂 Vielleicht kann man es so formulieren: Was die Leser annehmen, lesen möchten, ist letztlich auch erfolgreich. Als Kleinverlag sind wir sehr offen und können Dinge ausprobieren, die wir für vielversprechend halten. Unsere Liebesromane sind einzigartig, sie verbinden die Phantastik mit dem realen Leben, sie verbinden oft unterschiedliche Genre-Elemente, die für einen großen Verlag zu sehr zwischen den Stühlen sitzen würden. Bei uns wie auch im Genre gilt: Erlaubt ist, was gefällt. Die Fantasy bietet einen unendlich großen Spielraum in dem unsere Autoren sich austoben können, ohne dabei den Fokus auf das Wesentliche im Leben zu verlieren. Der Liebe. Unsere Leser schätzen das.

3. Gibt es Phantastik-Bücher von Ihrem Verlag, die weniger bekannt sind, die Sie aber an dieser Stelle besonders erwähnen möchten („Geheimtipps“)?

Bei uns wird jeder Titel gleichwertig behandelt, beworben, wir haben keine ausgewiesenen Spitzentitel oder dergleichen. Insofern gehe ich davon aus, dass im Prinzip alle Titel mehr oder weniger gleich bekannt, bzw. unbekannt sind. Neu hinzukommende Leser werden vielleicht weniger auf ältere, aber absolut lesenswerte Titel des Programms schauen, als da wären die Schattendämonen Trilogie, Nybbas Träume, Nybbas Nächte und Nybbas Blut von Jennifer Benkau, oder aber auch die Trilogie „Das Rote Palais“ von Helene Henke, die kürzlich als günstige Gesamtedition als eBook herausgekommen ist. Aber auch die „Söhne der Luna“ Trilogie von Lara Wegner sollte man sich nicht entgehen lassen, ebensowenig wie die „City of Angels“ Reihe von Andrea Gunschera, deren erster Band auch bei Egmont Lyx lizensiert wurde. Auch von Bestsellerautorin Andrea Schacht haben wir einen ganz besonderen und hübschen Titel  (passend übrigens zum Jahr 2012, Stichwort: Maya Kalender) im Programm: „Götterfunkeln“.

Einen ganz neuen Weg sind wir mit  „NOCONA – Eine Liebe stärker als Raum und Zeit“ von Britta Strauß gegangen, da dieser Titel Elemente von dem momentan sehr beliebten Love & Landscape aber auch historischen Roman, Liebesgeschichte und Fantasy auf geradezu grandiose Weise vereint.

4. Phantastik-Bücher mit welchen Inhalten würden Sie noch gerne verlegen? In welche Richtung möchten Sie Ihr Phantastik-Programm einmal ausweiten? Zu welchen Themen wünschen Sie mehr Manuskripte?

Wir würde gern noch stärker in die Richtung Romantic Thrill mit paranormalen Elementen gehen, wie wir es mit dem TEAM ZERO von Eva Isabella Leitold und den G.E.N. Bloods von Kathy Felsing schon getan haben. Aufregende, spannungsgeladene, thrillige „Team“-Plots mit einer mitreißenden, emotionalen und stark ausgeprägten Liebesgeschichte verwoben.

Davon abgesehen, passt hier auch wieder der schon oft verwendete Satz: Wir sind für fast alles offen, sofern es gut geschrieben ist 😉

5. Was ist Ihnen bei Phantastik-Büchern besonders wichtig? Wie sollen diese Manuskripte sein, die Autoren bei Ihnen einreichen (Inhalt, Stil, Erzählweise)?

Besonders wichtig sind uns und unseren Lesern Emotionen, interessante und nachvollziehbare Figuren und eine spannende Story. Da wir aber vor allem, wenn man alle phantastischen und anderen Aspekte einmal ausklammert,  Liebesromane verlegen, ist es uns wichtig zu betonen, dass ein guter Liebesroman kein Kitsch, kein Schund und kein mal eben schnell runtergeschriebener Text ist. Schon viele gestandene Autoren haben beim Versuch einen guten Liebesroman zu schreiben bemerkt, dass gerade dieses Genre viel Fingerspitzengefühl und eine besondere Schreibweise bedarf. Liebesromanleser sind sehr anspruchsvoll und lassen sich ungern für dumm verkaufen. Das sollte man auf jeden Fall bedenken und respektieren.

Der riesige Erfolg amerikanischer Autorinnen im Bereich romantische Fantasy kommt nicht von ungefähr. Sie beherrschen die Kunst des Erzählens einer guten Liebesgeschichte. Wenn man sich einmal mit dem amerikanischen Erzählstil von Bestsellerautoren wie J.R. Ward, Sherrilyn Kenyon und Lara Adrian auseinandersetzt, bemerkt man schnell worauf es ankommt. Daher bekommen wir am liebsten Manuskripte, die in der personalen Erzählweise geschrieben sind, aber nicht in der Ich-Form. Auf diese Weise kann man Innenansichten, vor allem aber Gefühle und Emotionen am besten transportieren, und ist auch nicht auf die Sicht nur einer Person beschränkt. Der Leser bekommt die Geschichte nicht einfach nur erzählt, von einem übergeordneten Erzähler, sondern er steckt so tief in der Figur, dass er von ihr mitgerissen wird ins Geschehen, das Gefühlte ebenso fühlt. Wer uns sein Manuskript schicken möchte, sollte sich möglichst mit dem Handwerk Schreiben schon einmal beschäftigt haben, d.h., bestenfalls schon einen Schreibkurs gemacht oder den ein oder anderen Schreibratgeber gelesen haben. Anhand unseres Programms und anhand der Vitae unserer Autoren kann man erkennen, dass wir gern und erfolgreich mit Neu-Autoren zusammenarbeiten.

6. Der Vampirtrend hält die Fantasywelt noch immer in Atem. Glauben Sie, die Welt der Phantastik braucht bald neue Fantasywesen? Wenn ja, welche wären Ihre Favoriten?

Es kommt nicht darauf an welches Fantasywesen uns fasziniert, sondern wie es das tut. Es wird auch langsam schwierig noch neue Fantasywesen ausfindig zu machen, denn man könnte meinen es sei ja schon alles da. Neben dem  Vampir – der wohlgemerkt schon immer da war und schon immer ungerechterweise den ganzen Ruhm einheimst 😉 – schwimmen bereits jetzt unzählige andere Fantasywesen durch das Phantastik-Meer. Seien es Engel, Zombies, Aliens, Gestaltwandler in allen möglichen Formen, PSI-Phänomene, Magier, Hexen, Meerjungfrauen …  – aber warum auch nicht, denn  Altbewährtes neu verpackt hat durchaus seinen Reiz. Meine Favoriten sind die, die mich mitnehmen in ihre Welt, obwohl ich zugebe, dass ich tatsächlich immernoch eine Schwäche für den guten alten Dracula habe*lach*

7. Wie wird das Phantastik-Genre im Jahr 2050 sein? Bitte lassen Sie Ihrer Fantasie kurz freien Lauf!

Noch vielfältiger, noch raffinierter. Clevere Autoren werden immer tollere Ideen entwickeln und die Leser weiterhin faszinieren. Und ich hoffe, dass sich das Genre bis dahin so richtig etabliert und mit seiner ganzen Fülle und seinen Facetten einen festen Platz in den Buchregalen gefunden hat.

Danke für das Interview und noch viel Erfolg mit Ihrem Verlag!

Das Interview führte Annira Falter, Autorin von „Astarian„.

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