Einen Roman schreiben – spontan oder mit Exposé?

Wie beginnt man einen Roman? – Schreibe ich drauflos? Schreibe ich spontan? Oder muss ich das Ende meiner Geschichte kennen, um den Anfang zu schreiben? Es gibt Autoren, die tippen einfach drauflos, wenn sie eine vage Idee haben, und es gibt Autoren, die erst ein komplettes Exposé schreiben, ehe sie sich an den ersten Satz ihres ersten Kapitels wagen. Finde selbst heraus, welcher „Romananfang“ dir liegt. Ich habe beides ausprobiert und mit beidem gute und schlechte Erfahrungen gemacht.

Romane drauflos schreiben ist spannender.

Man weiß nicht, wo die Geschichte hinführt, lässt sich von seiner eigenen Kreativität überraschen. Was aber, wenn dieser Geistesblitz mal ausbleibt? Dann löst der Autor die Probleme der Roman-Figuren unkreativ und unlogisch. Der ach so kluge Antagonist hat mal eben sein Schwert zu Hause liegen lassen und der Held ist urplötzlich imstande, eine zehn Meter hohe Magie-Feuerwand zu überspringen. Oder die Konflikte werden vom Autor einfach unter den Tisch gekehrt. – Oder es droht die komplette Blockade! Der Autor merkt, er kommt in einer Szene nicht weiter. Die Lust am Schreiben sinkt, man schiebt das Problem vor sich her wie jedes andere Problem. Und wenn man Pech hat, kommt die Lust am Schreiben nicht wieder – und wenn, dann fängt man eine neue Geschichte an.

Tja, und das ist nur der Anfang des Problembergs, der sich beim Spontan-Schreiben so auftun kann.

Roman planen bedeutet (auch) „Träumen“.

Ist nun das sagenhafte Exposé das Zaubermittel? Es gibt Ratgeber, die empfehlen, einen Roman erst zu planen, bevor man mit dem Schreiben anfängt. – Planen klingt öde für dich? Dann nenn es „träumen“! Oder gedankliches Filmdrehen. Genau das ist es erstmal. Statt dich damit rumzuquälen, ob du ein Füllwort oder ein Adjektiv zu viel in deinem ersten Satz hast und keine Synonyme für „gehen“ und „sagen“ kennst, denkst du erstmal über die wirklich großen Ereignisse nach. Die Schlüsselszenen. Die Hauptstränge der Handlung. Den zentralen Konflikt. Das kann durchaus Spaß machen. Wer kennt es nicht, dass man lieber Ideen sammelt, als sich mit ihrer Umsetzung zu beschäftigen? Aber wie du schon ahnst, liegt genau hier beim Planen das Problem. Du hast schon so schön und intensiv von deiner Geschichte geträumt, dass du auf das eigentliche Schreiben keine Lust mehr hast. Hat man das Exposé erst einmal schön ausgearbeitet, ist die Luft raus und man hat auf das Schreiben der Geschichte keine Lust mehr.

Exposé schreiben oder drauflos schreiben – das Fazit

Egal, ob spontan oder geplant, um einen 400-seitigen Roman durchzuhalten, brauchst du auf jeden Fall viel Motivation und Energie – und Disziplin. Schreibblockaden bekommen Spontanschreiber und Planer – oder positiv formuliert: Spontanschreiber und Planer haben beide gute Chancen, einen Roman zu Ende zu schreiben. Spontan schreiben und geplant schreiben ist auch beides irgendwo anstrengend. In deinem Roman werden die Figuren Konflikte haben, die gelöst werden wollen – glaubwürdig (!) und kreativ (!). Geistesblitze für geniale Ideen können dich aber bei beiden Schreib-Arten treffen: beim spontanen Schreiben und bei der Planung eines Romans im Exposé. Es ist nicht so, dass du ein Spontan-Schreiber sein musst, um Geistesblitze zu haben. Umgekehrt muss ein Spontan-Schreiber sich nicht unbedingt in unlogischen und überflüssigen Handlungssträngen verlieren. Als Spontan-Schreiber kann man auch intuitiv logisch schreiben – zumindest, wenn man ab und zu einen Moment inne hält.

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5 Antworten zu Einen Roman schreiben – spontan oder mit Exposé?

  1. Steffi schreibt:

    Interessante Überlegung. Ich bin ja eher so die Spontanschreiberin. Und bisher auch ganz zufrieden damit. Manchmal komm ich zwar an eine Stelle an der ich nicht weiß wie es weitergeht, aber eigentlich fällt mir immer irgendwann was gutes ein.

  2. flyfictionfantasy schreibt:

    Hallo Steffi,

    danke für dein Statement. Schön, dass es dir mit dem Spontanschreiben gut geht. Nicht alle sind ja mit ihrer Herangehensweise an Romane zufrieden und suchen nach Alternativen.

  3. Richard Norden schreibt:

    Spontan zu schreiben macht natürlich Spaß – einfach einer Idee nachgeben, ungebremst drauflos schreiben und sich selbst davon überraschen lassen, wo die Reise hinführt.
    Dennoch riskiert man damit bei einem langen Werk wie einem ganzen Roman, dass man sich auf halber Strecke in die Ecke schreibt und nicht mehr weiß, wie man seine Charaktere aus einer verfahrenen (oder noch schlimmer: todlangweiligen) Situation wieder herausschreiben soll.
    Und selbst wenn man es schafft, irgendwann ENDE unter eine abgeschlossene Handlung zu schreiben, wird man für die Revision dieses Romans erfahrungsgemäß weit länger brauchen als für einen Roman, den man schon im Voraus sauber geplant und strukturiert hat.
    Viele Autoren glauben, dass Planung die Kreativität tötet. Das Gegenteil ist der Fall: Planung steckt ein Areal ab, in dem sich unsere Kreativität beim Schreiben austoben kann, ohne dass wir Gefahr laufen, zu weit vom Weg abzukommen. Es ist wie bei einer Reise: Bei der Planung legen wir fest, welche Stationen und Sehenswürdigkeiten wir auf unserer Reise in welcher Reihenfolge besuchen wollen. Bei der eigentlichen Reise können wir die einzelnen Orte erforschen, erleben und unsere Reise genießen, ohne uns gleichzeitig überlegen zu müssen, ob wir am Ende der Reise vielleicht versehentlich in Thailand statt in Mailand ankommen. 😉

  4. Frank Riedel schreibt:

    Hat dies auf Riedelwerk.de rebloggt und kommentierte:
    Wenn ihr Muse, Geduld und Zeit habt und schon immer ein Buch schreiben wollt. Hier als Beispiel eine kurze Einführung. Diese Seite habe ich gefunden, ohne Wertung. Es darf sich keiner auf die Zehen getreten fühlen. Danke.

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